Sonntag, 28. Dezember 2008

08 – 14|12 Jacki Revival

Zum Eingewöhnen auf die Prüfungswoche wird in der PrüfungsVORwoche schon eine Präsentation, ein Mal Englisch schriftlich, Französisch mündlich und interkulturelles Management über die Bühne gebracht. Kann nur von Vorteil sein, denn sonst müsste ich auch noch am Ende (wie manch andere) 3 Prüfungen an einem Tag schreiben.

Während der Präsentation bin ich wieder einmal erstaunt, dass der Kauderwelsch, den ich von mir gebe, auch wirklich Sinn macht. Auch die übrigen Vorträge sind zum Großteil interessant, bestätigen aber wieder den Eindruck, dass der durchschnittliche Franzose, am liebsten sich selber reden hört. Ein 20 Minuten-Vortrag wird dann mal eben auf 40 Minuten ausgedehnt, indem zur Erklärung kultureller Unterschiede zwischen der australischen und französischen Arbeitsweise auch die Flora und Fauna Australiens unbedingt erläutert werden muss.


Ich brauch dringend Bewegung und gönn mir darum am Abend eine Runde Aerobic. Abwechslung muss auch mal sein. Also muss ich mich notgedrungener Weise danach noch bis Mitternacht über die Englischtexte hängen, denn am nächsten Tag steht Englisch schriftlich auf dem Plan.

Vorsorglicher Weise steh ich gegen acht auf, um wie zur Vorlesung gegen zehn da zu sein. Ich wiederhole gerade noch ein paar Vokabeln, da klingelt mein Handy: Was sei denn passiert, wo sei ich und auch Claudia (eine weitere Studentin aus Deutschland)? Tja, die Englischprüfung findet doch 8 Uhr statt und die zweite Fremdsprache 10 Uhr. Ups. Ich dachte eben um zehn „Mais c’est une erreur!“. Mir rutscht das Herz in die Hose und beginnt danach zu flattern. Ich darf trotzdem gegen 9.30 kommen und meine 2 Stunden schreiben. Puh, Glück gehabt. Allerdings ist das kein besonders gelungener Start in die Schriftlichprüfung.


Nachmittags heißt es lernen, lernen, lernen und nochmals lernen: Seitenweise Definitionen, die selbst für Franzosen zum Teil nicht voneinander unterscheidbar sind.

Die französisch mündlich Prüfung versuche ich auch ganz locker anzugehen und bereite mich nicht gezielt darauf vor, schließlich hör ich ja den ganzen Tag Französisch, n’est-ce pas?! Wir müssen Fragen zu einem Monolog von Kassette beantworten. Als wir es zum ersten Mal gehört haben, fragt Saskia: war’s das schon? – mh, ja, so einfach wie erhofft war es leider doch nicht.


Die Prüfung am Freitag kann man durchaus als fair bezeichnen, nichts desto trotz bin ich fürchterlich aufgeregt und total knülle danach. Mein Magen spielt auch verrückt, sodass ich quasi voll-nüchtern zu Anna aufbreche. Dort feiert 20.00 Uhr die 5-Mädels-Gruppe made in Germany ihren AbschiedsfeierVORfeier. Das heißt wir bringen uns mithilfe von Jacki (Jackeline = Cocktail, siehe 29|09 – 05|10) in die richtige Stimmung für die letzte Erasmusfeier, die so gegen 22.00 Uhr losgehen soll. Zu der Zeit habe ich bereits wider meiner guten Vorsätze 2 Gläser intus (à 0,5l), sodass ich bereits 23.30 den Heimweg antrete. D.h. ich war nicht auf der Erasmusfeier, habe mich nicht von den anderen verabschieden können und noch dazu höllische Kopfschmerzen am Samstag – der vorletzte Tag zum lernen. Allerdings beweisen die Videos, dass es das Wert war. Keine von uns wird diesen Abend vergessen und auch keiner der übrigen Wohnheimbewohner, denn unsere Musik - verschönt von unserem Gesang und Tanz- hat quasi den ganzen Flur unterhalten. Somit sind von nun an Mia, Peter Fox, Hund am Strand & Co. auch Frankreich bekannt.


Wie man sich vorstellen kann, fällt mir das Lernen am Folgetag nicht so leicht. Ich versuche es vorerst mit Lesen im Liegen und nicht zu viel bewegen. Gegen Abend bessert sich zum Glück mein Wohlbefinden einigermaßen.

Montag, 22. Dezember 2008

01 – 07|12 Es geht in den Endspurt

Die Vorlesungsdichte nimmt zum Glück seicht ab, sodass wenigstens Zeit bleibt sich auf die wichtigen Dinge des Studentendaseins vorzubereiten - die Prüfungen! Die Woche steht noch ein Mal im Namen des Controllings und ich sehne mir dringlich das Ende herbei! Am Dienstag basteln wir fleißig an unserer Präsentation, die nur so vor Graphiken und Tabellen strotzt. Da meine lieben Kollegen keinen Fabel für Power Point haben, setzte ich mich am Abend dran die Formatierung zu vollenden.


Mittwoch: mir dreht sich der Magen und auch dreimaliges Wiederholen hat mir kaum mehr Sicherheit verschafft. Also Augen zu durch... Da wir alle den gleichen Fall bearbeitet haben, sind alle 6 Gruppen unheimlich scharf drauf, als erste zu präsentieren. Also werden Lose angefertigt. Ich ziehe: die 1! Insgeheim find ich das aber gar nicht so toll, denn ich hätte auch gern noch mal kurz durchgeatmet. Aber es läuft... Unsere 44 Folien strapazieren zwar dann doch die Geduld der Zuhörer, aber der Prof scheint im Ganzen recht zufrieden zu sein. Die Hänger bei 7-stelligen Zahlen verzeiht er mir auch großzügig... Zu meinem Glück.

Um gefühlte 10 Kilo auf dem Herzen leichter schwebe ich nach Hause, nachdem wir noch 2 Stunden an der Präsentation für die Folgewoche gearbeitet haben. Fortgesetzt wird unsere Gruppenarbeit am Freitag nach der letzten Vorlesung in diesem Semester. Wir machen es uns im Informatik-Raum gemütlich.


Ich will nebenbei ein paar Folien der letzten Vorlesungen ausdrucken und geh siegessicher zum Drucker. Dort hantiert eine Kollegin mit Blättern rum und schafft es scheinbar nicht den Drucker zum Laufen zu bringen. Voll optimistisch leg ich mein Papier ein, nachdem sie aus dem Zimmer verschwindet. Aber auch ich habe kein Glück und lass es nach einigen Versuchen sein. Währenddessen ist Madame „Ich-weiß-ja-wie-es-geht“ zurück und macht sich erneut am Drucker zu schaffen. Als er dann wie durch ein Wunder dann doch beginnt zu drucken, schallt es durch den Raum :“Ey, la polonaise!“ Wie? Ich?! „Oui, tu n’as pas arreté ton imprimé?????“. Äh, nein, ich konnte meinen Druckauftrag nicht anhalten. Das versteht sie aber nicht und schiebt fleißig ihre Blätter in den Drucker, bis sie begreift ihn anhalten zu müssen. Zum Schluss kommt sie noch angestapft und verlangt 5 Blätter: „5 feuilles, j’ai besoin 5 feuilles, car tes imprimés ont imprimé toutes mes feuilles!“ Okay, kannst gerne 5 Blätter haben, wenn dich das glücklich macht. Anscheinend ist sie Studenten, der französischen Sprache nicht im gleichen Maße mächtig, nicht besonders gesonnen. Dass sie Maroccanerin ist steht noch dazu auf einem anderen Blatt.


Freitagabend gönn ich mir ein Kontrastprogramm und geh trotz Angeschlagenheit zum

Badminton. Danach veranstaltet Christin bei sich ein Trash-Wichteln. Zusammen mit den Italienern, Engländern, den deutschen und holländischen Mädels und meiner Nachbarin feiern wir den Soirée de Saint-Nicolas. Jeder bringt sein Geschenk ein und nach dem was der Würfel sagt, werden die Geschenke rechtsum, linksum ausgetauscht oder der Platz gewechselt, während das Geschenk liegen bleibt. Beim Entpacken nach gut 1 Stunde Würfelspiel und der ein oder anderen halb aufgerissen Verpackung kommen gar lustige Dinge zum Vorschein: Playmobil, ein roter Glitzer-Vogel-Haarschmuck, Furzkissen, rosa Ohrenschützer und das Highlight – Plastikpistolen à la „wilder-westen-im-Kinderzimmer“. Danach geht es zu den Schotten, wo wir den Abend angemessen mit Champagner (frz. für jede Sorte Sekt) ausklingen lassen.


Das war’s dann aber schon auch bezüglich Wochenend-Vergnügen. Denn die kommenden Prüfungen wollen auch vorbereitet sein..

24 – 30|11 Schluss mit lustig

Montag morgen heißt es schon wieder Abschiednehmen. Und ich muss echt ranbüffeln für die 2 Prüfungen am Mittwoch. Englisch mündlich verläuft recht schmerzfrei: angekommen, Tür auf, Steffi rein, „Good morning“, blabla, 10 Minuten rum, Steffi raus, fertisch! Und dafür stundenlang Text gelesen! Dafür bin ich vor der Prüfung „internationales Steuerwesen“ super aufgeregt. Ich bin immerhin schon mal zufrieden, etwas schreiben zu können, obwohl das Niveau meiner Sätze einer 4. Klasse entsprechen.. Immerhin! Es ist einfach zu anstrengend in einer halben Stunde 3 Seiten über die Hälfte des Vorlesungsstoffs zu referieren und dabei noch an die Ausdruckweise zu denken. Abends gibt es wie Üblich ein kleines Treffen bei Laura mit Pizza, Cockies und anderen Leckerein.

Die Quittung flattert am Donnerstag herein. Ich habe unheimliche Halsschmerzen als ich aufstehe. Zum Glück habe ich noch eine Vorrat von deutschen Medikamenten und nehme gleich, was mir so in die Finger fällt. Trotz allem bin ich Freitag zu müde und muss die erste Vorlesung ausfallen lassen, um ein wenig zu schlafen. Und zum Badminton kann ich auch nicht gehen, was mich am meisten nervt...

Also sitze ich am Samstag 8.3o in Raum 06, Bâtiment B5 vor einem bunten Blatt auf dem ich mit Bleistift runde Kreise ausmale, die zusammen meinen Namen ergeben. Die Anmeldung
zum TOEIC-Test ähnelt einer Malstunde 1. Klasse. Nach einer halben Stunde Kreise ausmalen zur Identifikation von Geschlecht, Sprache, bisherigen Englischerfahrungen wundert mich nur, dass sie nicht noch meine Unterwäschengröße wissen wollen... und es kann losgehen.1 Stunde lang gilt es Dialogen von der Kassette zu lauschen und nach Multiple-Choise-Prinzip wieder Kreise A B C oder D auszumalen. Während der Sprecherpausen versuche ich meinen Husten unterzubringen, um nicht die andere zu stören. Geschnäuzt wird dann immer nach Ende eines Aufgabenblocks. Die 2. Stunde sind Texte zu lesen und wieder im bekannten Stile Kreise auszumalen. Mit brummende Kopf verlassen wir dann 11.oo den Saal und haben endlich Wochenende!
Ich mach mich auf den Weg und gehe Wäsche waschen. Aufgrund des regen Betriebes im Waschsalon kommen auch schnell 3 Stunden zusammen... Aufregenderes passiert wohl auch nicht mehr an diesem Wochenende, denn meine Erkältung hat mich voll im Griff.

Mittwoch, 3. Dezember 2008

17 – 23|11 Einmal Riesenrad, bitte!

Die Woche startet gleich mit einem aufregenden Auftakt: ich halte in Englisch einen Vortrag über deutsche Weihnachtsmärkte. Ich habe mir extra etwas Nettes für unsere Lehrerin einfallen lassen. Sie behandelt uns gern wie pubertierende Jugendliche, denen noch unbedingt Normen und Werte beigebracht werden müssen. Ein kleines Beispiel: Laura geht nächstes Semester nach Spanien zum Studieren. Als Grund führt sie neben Kultur und Kunst auch an, dass sie die spanische Art des Feierns mag. –Voila! Antwort unseres Profs: „Da kann ich mir ja lebhaft vorstellen, was sie da machen werden...“

So, dachte ich mir, damit unsere Lehrerin etwas lockerer wird, lass ich just original Dresdner Glühwein importieren und wärm ihn auch extra vor dem Vortrag auf. Das kommt gut an! Und auch unsere Madame-super-Streng ist sogleich viel entspannter. Dazu reiche ich noch eine Kostprobe Stollen, den auch alle absolut lecker finden. Das einzige was noch fehlt sind die rauchenden Räuchermännchen, aber ich fühl mich schon ganz heimisch. Die Vorlesung am Nachmittag ging so leicht angedüdelt auch gleich viel schneller rum... Eine angenehme Art sich nicht zu sehr zu stressen... Leider hatte der Glühwein bei einigen Müdigkeit hervorrufende Wirkung.

Dafür war der Dienstag umso anstrengender. 9.oo Uhr Treff am IAE um unseren Beleg für den Folgetag fertig zu stellen. 10.3o - unser 3. Gruppenmitglied trifft endlich ein – nachdem die Einkäufe in Ruhe erledigt sind... Jedenfalls muss noch 1/3 des Textes komplett überarbeitet werden, denn da lauern nicht wenige inhaltliche Unverständlichkeiten, sondern auch Rechtschreibfehler. So, nun könnte man denken: ist ja klar, wenn da eine Ausländerin dran schreibt... HA! Das war aber gar nicht mein Textteil! Und weil das noch nicht reicht, wird *simsalabim* noch eine Ansammlung von „wichtigen“ Kennzahlen aus dem Hut gezaubert, die alle noch einen Tag vor Abgabe berechnet und ausgewertet werden müssen. Leider hat man die aber nicht dabei: drum heißt es warten. 13.oo schieb ich darum eine Projektbesprechung zum Thema interkulturelles Management ein. 14.oo geht es dann fix zur gleichnamigen Vorlesung bis 17.3o. Im Anschluss wird an der Baustelle Beleg weitergearbeitet. Etwa eine Stunde später ist der Inhalt soweit zusammengepusselt. Ich flitz nach Hause, schling mein Abendbrot hinunter und arbeite bis 0.oo an der Formatierung. Ein Hoch auf die französische Arbeitsweise: alles auf den letzten, aber auch allerletzten Drücker!

Mittwoch fühl ich mich, wie nicht geschlafen und bin völlig breit. Da stellt sich heraus, dass nicht nur eine Dateiversion per Email ausreicht, sondern auch noch ausgedruckt werden muss. Ich werde dann auch noch ernsthaft gefragt: „wollen wir also ausdrucken, oder nicht?“ Und bin kurz davor an die Decke zu springen. Mal ehrlich: ich würde das Schicksal meiner Belegarbeit (die im Übrigen 40% der Endnote liefert) NIEMALS in die Hände eine ERASMUS-studentin legen! Naja, französische Gelassenheit eben. „Kümmer dich nicht, das wird schon alles“ („T’inquiètes pas! Ca va aller!“) Der Englisch-Prof bemerkt auch noch meine häufige Geistesabwesenheit und kündigt voller Freude an, dass er mir in der kommenden Woche während meiner Mündlichprüfung folglich auch nicht zuhören wird. Grrr!

Am Donnerstag reiche ich offiziell die Kündigung meines Mietvertrages ein und bin damit unwiderruflich Ende Dezember ausgezogen. Ein wenig traurig ist das schon, trotz der Strapazen. Denn so richtig viel Zeit bleibt mir nun nicht mehr und den Großteil werde ich wohl mit Lernen verbringen...

Um mich zu entspannen geh ich am Donnerstag-Abend auf die Studiengangsfeier die anlässlich des Projekttages veranstaltet wird. In Gruppen von 5 Mann sind meine Kameraden schon den ganzen Tag durch den Schlamm gerrobt oder haben Sackhüpfen veranstaltet (übrigens während ich schön artig an meiner „mission export“ gearbeitet habe). Kurzum es wird bis dato der spektakulärste Abend der MSG-Gruppe. Laura und ich sind unter den letzten 10 die gegen 3.oo Uhr aus dem Club gefegt werden, der nur für unsere Feier reserviert war... Es wurde auf Tische getanzt und auch drunter. Nur gut, dass es davon kein Beweismaterial gibt.

Am Freitag nach der letzten Vorlesung flitze ich nach Hause, um noch die letzten Vorbereitungen zu Treffen für das Wochenende. Denn Steffi kommt gegen 21.oo Uhr am Bahnhof Garre Lille Flandre an, wo ich sie auch in Empfang nehme... Hach, es ist, als hätte man sich gestern erst gesehen... Ich zaubere uns ein kleines Abendbrot bei mir und wir fallen – beide total fix und foxi – nach noch langem Schnattern ins Bett.

Samstag steht Sightseeing auf dem Plan. Also dick eingepackt geht es im Zick-Zack durch die Altstadt. Nachdem schon meine Füße kalt sind und die Lippen bibbern gehen wir einen Kaffee schlürfen und beobachten von unserem Logenplatz eine Brautkleidanprobe im Geschäft gegenüber. Köstlich, wie alle Passanten stehen bleiben und sich eine Geste der Zustimmung nicht verkneifen können. Das Kleid sieht aber auch hinreißend aus! Nachher schlendern wir auch in das ein oder andere Geschäft – gehört ja schließlich auch zu einer Stadtbesichtigung: regionaltypischer Einzelhandel.

Nach einem stärkenden Abendbrot (abermals in meiner hightech-Küche) brechen wir auf zum Tanzabend. Und typischerweise deutsch stehen wir 23.oo mit noch 2 deutschen Erasmusstudenten vor dem Club, der erst 3o Minuten später öffnet, weil die Damen mit Kasse noch nicht da sind (3o Minuten Verspätung entspricht hier etwa Pünktlichkeit). Macht ja nichts, ist ja nur hundskalt draußen. Also nutzen wir die Zeit für einen Smalltalk mit einer Gruppe Jugendlicher. Nachdem es endlich reingeht, dauert es auch nicht lange und der Club ist bis unter das Dach voll – schließlich ist es auch Lille’s bekanntester Elektro-Schuppen. Die Franzosen flippen völlig aus zu DJ „brodinski“ (ja, klingt eher nach einem Polen) – french elektro eben.

Am Sonntag schlafen wir erst mal ordentlich aus und machen uns als es schon dunkel wird noch mal auf den Weg Richtung Stadt und Weihnachtsmarkt, der natürlich nicht mit unseren vergleichbar ist. Aber immerhin. Es schneit Riesenflocken und wir freuen uns wie kleine Kinder bis das Wasser in unsere Schuhe läuft. Leider ist das schon nach den ersten 100 Metern auf dem Weg zu Metro der Fall. Aber keine von uns beiden sagt etwas – aus Verlegenheit. Eine kurze Runde über den Weihnachtsmarkt gedreht und eine flämische Waffel tippelnd genascht, gestehen wir uns ein, dass es nichts bringt und drehen um. Bei unserm 2. Versuch sind die Schuhe imprägniert und wir haben uns Tüten über die Socken gezogen. Und es funktioniert! Damit bleiben mir auch keine Ausreden mehr und Steffi überredet mich zum Riesenradfahren. Und dass obwohl ich soooooo Höhenangst hab. Aber der Ausblick ist echt super und das Geld und die Aufregung echt Wert. Nur komisch, dass wir statt wie die anderen nicht 4 sondern 6 Runden drehen.... Mit festen Boden unter den Füßen fühl ich mich eben doch am wohlsten.

Sonntag, 30. November 2008

10 – 16|11 Kulturerlebnis Kino

Dienstag (11.11.) ist Nationalfeiertag – da feiern die Franzosen, dass sie die Deutschen 1918 besiegt haben. In Deutschland essen wir an dem Tag Pfannkuchen und stecken uns Pappnasen an. Tja, so unterschiedlich können Kulturen sein!

Da also Dienstag keine Vorlesungen stattfinden, auch nicht am IAE, geht es am Montag zu einer Black-and-White-Party bei den Schotten im Luxuswohnheim. Nachdem die ersten Minuten des Schocks vor Neid verstrichen sind, kann man es sogar genießen und träumt nur gelegentlich davon auch ein eigenes Bad mit Dusche und WC zu haben...

Am Samstag gehe ich zur Ablenkung vom Lernen mit meiner Luise und Hanni ins Kino. Dort entfaltet sich französische Desorganisation in ihrer reinsten Weise. Erst an eine lange Schlange zum Ticket kaufen anstellen, schön Mann an Mann. Danach pfropfbildend vor dem Eingang zusammenfinden. Da gehen einige rein, manche aber auch nicht. Also wollen wir siegessicher hindurchschreiten, aber nein, wir sind noch nicht dran (15 Minuten vor Filmbeginn). Wie auf dem Flughafen gibt es eine Anzeige, die die freigegebenen Kinosäle grün markiert, folglich die noch geschlossenen rot. Nur leider muss man hier schon mit der Nase auf dem Bildschirm landen, um etwas zu erkennen, was aufgrund der Menschentraube eben kaum möglich ist. Also an die Seite stellen und nach 2 Minuten noch einmal probieren und sich durchwirschen. Juhu, drin! Wir gucken „Vicky, Christina, Barcelo“ auf Englisch mit französischen Untertitel und ich bin von den Originalstimmen wie von der Geschichte total entzückt. Und bekomm sofort Fernweh. Hoppla, bin ja schon fern – aber eben nicht im Süden!

Freitag, 28. November 2008

03 – 09|11 And the winner is....

Freude: Eine ganze Woche vollgestopft mit Vorlesungen! Am Mittwoch gönn ich mir trotz allem den Deutsch-Unterricht und das lohnt sich! Der Prof hat von 7.3o bis 7.55 das Frühstücksmagazin im ZDF aufgenommen, um uns 8.oo die noch dampfenden, denn ofenfrischen Neuigkeiten der Wahlen in den USA zu präsentieren. Ich habe Bauklötzer gestaunt! Und wie albern ich die Moderatoren fand! Wenn man lange nicht fernsieht, kommt einem das ganze Getue unheimlich albern vor.

Auch in Geopolitik haben wir noch darüber gesprochen, also ich habe vielmehr nur zugehört. Dabei brachte der Prof ein Beispiel seiner letzten Prüfungsfragen. Also eine Frage für 3 Stunden Romanschreiben zu einem Thema wie diesem: Inwiefern beeinflusste der Zusammenbruch der UdSSR den der USA? (freie Übersetzung meiner Wenigkeit) Na, da fallen einem doch gleich tausende von Ansatzpunkten ein – nur haben die alle nichts mit dem Thema zu tun...

Am Donnerstag lass ich mich überreden und geh zu dem von unserem Studiengang organisierten Sportabend. Heut ist Fußball dran. Als wir 2 mal 5 Mädels uns um den Ball kämpeln haben die 4 Männermannschaften auf der Bank reichlich was zu lachen. Aber! Nach anfänglichem Chaos und Gegacker kommen sogar ansatzweise vernünftige Spielzüge zustande! Und ich schieß ein Tor!!!! Und bekomm auch gleich nen Spitznamen verpasst: Ballack! Warum denn nicht LAHM???? Dann wartet nur noch ein arbeitsreiches Wochenende auf mich.

Samstag, 15. November 2008

27|10 – 02|11 Endlich: Sightseeing!

Am Montag bezieht meine Controlling-Gruppe bestehend aus Mathieu, Benjamin und meiner Wenigkeit nach dem Englischkurs ein lauschiges Plätzchen im McDo am großen Platz, um an unserem Beleg zu arbeiten. Wir vergleichen die bisherigen Ausarbeitungen, die jeder zu einem Teilgebiet angefertigt hat – nebenbei kann ich es mir nicht verkneifen, die Menschen, die vor unserem riesigen Fenster passieren, zu analysieren. Zurück zum Thema: überraschenderweise liefere ich mit Abstand den umfangreichsten Text, da ich dachte jede Zahl erläutern zu müssen. Mir kann es egal sein, denn korrigieren darf meine Ergüsse ein anderer (meistens der arme Mathieu).

Ansonsten verläuft die Woche verhältnismäßig ruhig. Der Campus wirkt wie leer gefegt, da die gesamte Uni eine Woche Ferien hat – aber selbstverständlich nicht am IAE! Nte, nte, nte! Die lieben Studenten des IAE dürfen schön fleißig weiter zur Uni gehen, während wirklich ganz Frankreich Ferien genießt. Die Folgen erkennt man deutlich im Auchun (Supermarkt), dort kann man vor Menschenmassen kaum noch treten.

Außer uns IAE-Studenten residieren auch noch die übrigen eingewanderten Studenten auf dem Campus, d.h. vornehmlich muslimischer oder afrikanischer Herkunft. Manchmal frag ich mich, ob ich überhaupt noch in Europa bin. Das ein oder andere Mal verlässt mich auch das Sicherheitsgefühl, wenn ich in der Metro von einer Gruppe „Gosses“ von der Seite blöd angemacht werde. Leider kann man da wenig tun, denn um ins Stadtzentrum zu kommen muss ich unweigerlich durch die von sozialen Konflikten geprägten Vorstadtgebiete wie „Triolo“.

Am Freitag bekomm ich endlich Besuch aus der Heimat: mein Paps , seine Freundin und meine kleine Schwester wollen sich Lille nicht entgehen lassen und haben quasi ein Wochenende mit Guide „Steffi“ gebucht. Wir bummeln am Abend durch die Innenstadt und kehren in das eine oder andere Geschäft ein. Als uns der Magen schon in den Kniekehlen hängt suchen wir uns ein kleines Resto. Die von mir erspähte Crêperie ist leider geschlossen aber wir finden ein gemütliches, schickes, typisch nordisches Resto in der Nähe des großen Platzes. Nach 20 Minuten studieren der französischen Karte ohne Wörterbuch bekommen wir auch eine englische, sodass wir dann doch nach etwa einer halben Stunde etwas bestellen, von dem wir ungefähr eine Vorstellung haben. Als krönenden Abschluss gibt es Crème brûlée, typische französische Nachspeise bestehend aus Caramel-crème auf der sich befindende Rohrzucker mithilfe von Alkohol angezündet und somit auch karamellisiert wird. Danach rollen wir förmlich in unsere jeweiligen Nachtlager.

Samstag ist Petrus uns nicht gut gewillt und es nieselt fleißig vor sich hin. Also schlendern wir am Vormittag noch etwas durch die Geschäft, um nach einem deutschen Stullen-Mittag nach Brügge aufzubrechen. Dort schüttet und windet es weiter, aber wir drehen eine ordentliche Runde und finden die Stadt trotz allem unheimlich schön. Besonders beeindruckt uns im Café die von Annalena bestellte heiße Schokolade: ein Stück Schokolade am Stiel das in die heiße Milch getaucht wird. Meine Kaffee verkeehrt (NL) lässt mich auch schnell die nassen Füße vergessen. Abends kredenz ich uns eine Chili con Carne à la manière „schnell gekocht für Studenten“ in meiner Luxusküche. Übrigens eine ausgezeichnete Basis für den ausgiebigen Abend der noch folgt. Armandine hat geladen zu ihrer Einzugsfeier. Ich nächtige zum Glück bei Laura, wobei „nächtigen“ hier als 5 Stunden komaähnlicher Schlaf verstanden werden kann.

Dass Lille nicht als Großstadt bezeichnet werden kann, beweist sich am Sonntagmorgen. Nichtsahnend, verkatert und unerfrischt mach ich mich von Laura auf den Weg zur Metro – und da treffe ich meine kleine Reisegruppe! Im Süden von Lille! Obwohl ihr Hotel mehr oder weniger im Norden liegt!

Nach meiner nachgeholten (und dringend notwendigen) Dusche gehen wir anlässlich des Geburtstages meines Paps in eine urische Kneipe, die mir wegen ihres „Welsh“ wärmstens empfohlen wurde. Kurzum ich bestell es und kann förmlich meine Galle stöhnen hören, denn dem Auflauf bestehend aus einer Scheibe Toast mit Schinken und viel, viel, viel , viel, oberviel Käse überbacken mangelt es nicht an Fett. Die beiliegenden Pommes setzen noch einen drauf. Die Nachspeise spar ich mir... Am Nachmittag heißt es dann auch schon Abschied nehmen. Leider, denn es war schön auch mal als Tourist Lille zu entdecken.

Freitag, 14. November 2008

20 – 26|10 Der ganz normale Wahnsinn...

Also zu Beginn der Woche gleich das Beste: internationales Steuerwesen, hmmmmmm! Abgesehen von diesem überaus illustrierten und unterhaltsamen Themengebiet sorgt auch der Prof für Training von Körper und Geist seiner Studenten: die Erklärungen sind hinreichend schlecht, seine wilden Tafelbilder uneindeutig und sein Körpergeruch zum Davonlaufen! So sitzen 15 arme Studenten in einem schlauchförmigen Raum, sodass jeder von uns der 1. oder wenigsten 2. Reihe sitzen darf und halten uns ein parfümiertes Taschentuch vor Nase und Mund oder atmen einfach nicht. Nach 15 Minuten landet spätestens der erste Kopf auf dem Tisch – wegen akuten Sauerstoffmangel treten schwerwiegende Müdigkeitserscheinungen auf.

Dienstag: der Prof von „Internationales Vertragswesen“ (also Recht) ist auch nicht von diesem Stern. Ein mindestens 2 Meter großer Schlacks mit kinnlagem Haar, der sich anmutig vor der Tafel hin und her bewegt. Er scheint witzig zu sein – ich versteh jedenfalls seine bildhaften Erklärungen nicht. Jedenfalls kommt er immer mindestens 30 Minuten zu spät – variiert nach Tageslaune. Wer nach ihm kommt, erntet trotzdem böse Blicke.

Mittwoch: Wir feiern bei meiner Kollegin Justin mit Pizza und Wein. Übrigens trinken die Franzosen wirklich viel Rotwein. Was dem Deutschen das Feierabend-Bier ist dem Franzosen seine Flasche Rotwein. Sinnbild eines durchweg verdorbenen Abends: nichts im Kühlschrank (nicht einmal eine Ecke Käse) und noch dazu kein Wein. Und rot muss er sein! Da ich wohlerzogen die letzte Metro nehme, verpass ich das beste vom Abend! Aber die Schilderungen am Folgetag lassen so Einiges erahnen...

Freitag: 8.30 Uhr IAE (mein Institut) liegt noch im Dunkeln, es fängt an zu dämmern. Alle Studenten stehen vor dem verschlossenen Vorlesungssaal. Wer fehlt? –der Prof. Aufgrund einer Doppelbelegung (super Organisation der Franzosen) fällt die Vorlesung quasi aus. Wir genehmigen uns ein ordentliches Frühstück bei McDo bestehend aus Pfannkuchen mit Ahornsirup und Kaffee. Lecker!

Die Übung am Nachmittag zur ausgefallen Vorlesung am Vormittag ist dafür umso anstrengender. 7 Seiten englischer Text über die Internationalisierungs-Strategie von CocaCola. Dazu sollen Fragen - auf französisch natürlich – beantwortet werden. Ich bin in einer Gruppe von 5 Mann eine der glücklichen Auserwählten und die Präsentation unserer Ergebnisse verläuft auch recht erfolgreich, bis ich eben an der Reihe bin. Keine Absprache vorab – angestupst von der Seite – „alles Stef!“ (=los Stef) – stammel ich ein paar Sätze zusammen. Leider kann ich auch die tollen Abkürzungen auf unserem Antwortzettel nicht entziffern. Währenddessen zeichnen sich tiefe Grübelfalten im Gesicht des Profs ab (Doktorant vom schönen Kontinent Afrika). Wenigsten beruht das Unverstehen auf Gegenseitigkeit – ich versteh ihn wegen seines afrikanischen Dialekts nämlich auch nicht (so wie zu 50 % auch die anderen Studenten).

Ich entspanne mich bei 2 Stunden ausgiebigen Badminton und fühl mich besser. Bis am Folgetag der Muskelkater einsetzt! Was mich natürlich nicht davon abhält nach erledigten Hausaufgaben zu einer Vor-party (Fotos: pré-party) zu Armandine zu fahren. Ein typischer Abend der COMEX-Gruppe!

Sonntag, 9. November 2008

13|10 – 19|10 Patriotismus

Eine wichtige Erfahrung, die ich aus dem Auslandssemester mitnehmen werde, ist das Gefühl, sich nicht sorgen zu müssen, aus Deutschland zu kommen. Sicherlich habe ich mir vorher darüber nicht so viele Gedanken gemacht, aber hier bin ich zum ersten Mal darauf aufmerksam geworden, dass das Bild der Deutschen im Ausland gar nicht so schlecht ist. Abgesehen von den üblichen Klischees werden auch die Vorzüge, wie Organisation und Pünktlichkeit geschätzt. Noch außergewöhnlicher erschien mir das hohe Ansehen der deutschen Wirtschaft und deutscher Produkte. Vor allem in den Vorlesungen „industrielles Management und e-Mutationen“ sowie in „Unternehmens-Internationalisierung“, selbst im Englisch-Unterricht (Beispiel Autostadt Wolfsburg) werden oft deutsche Firmen als positive Beispiele genannt oder die besonders gute wirtschaftliche Positionierung Deutschland betreffend In- und Export besprochen.

Noch spannender ist der Deutsch-Unterricht für meine COMEX-Kollegen, den ich mir ab und zu gönne. Hier werde ich regelmäßige über die aktuelle Entwicklung in Deutschland in Kenntnis gesetzt. Der Prof spricht ein deutlicheres und grammatikalisch exakteres Deutsch als ich und verfügt darüber hinaus über den Empfang von ZDF. In Abstinenz von deutschen Fernsehen und Radio bin ich wirklich nicht up-to-date und froh über jede heimatliche Information, auch wenn es nur das Morgenmagazin ist. Ich spreche für meine lieben Kollegen ganz, ganz, ganz langsam und krame mein bestes Hochdeutsch aus. Jedenfalls ist es schön, mal die anderen schwitzen zu sehen, weil einem das gesuchte Wort grad nicht einfallen will...

Erstmalig diese Woche: Fitness-Kurs Dienstag von 19.00 bis 20.00 Uhr. Der Trainer allein ist schon einen Besuch wert. Ja, ein jungscher Franzose italienischer, spanischer, libanesischer, türkischer oder ich-weiß-nicht-was-für-einer Herkunft hüpft vor einer Truppe von 40 Mädels rum, die während der Übungen ständig gackern wie ein riesiger Hühnerhaufen. Das ist sogar so ansteckend, dass es mir schwer fällt meine sit-ups ordentlich zu machen. Jedenfalls macht es riesigen Spaß, die Stimmung ist echt außergewöhnlich.

Am Freitag verlieb ich mich Hals-über-Kopf. Ich bin einfach hin und weg... Nach 5 Folgen Prison-Break am Stück dank DVD weiß ich nicht mehr, wie mir dieses Sahnestück entgehen konnte! Absolute Suchtgefahr. Den Fakt, dass der Hauptdarsteller homosexuell ist, kann ich wunderbar verdrängen. Enttäuscht war ich trotzdem, als ich davon erfuhr.

Am Freitag klopft es an meiner Tür, als ich gerade dabei bin mich zum Weggehen fertig zu machen - meine Nachbarin (afrikanischer Herkunft) und eine weitere Gangmitbewohnerin (libanesischer Herlunft). Ich sack die beiden ein, denn sie haben keine Pläne, und nehme sie mit zu Christine. Dort wird für den Abend in der Disko vorgefeiert... Ich denke an meine vielen, vielen Hausaufgaben und fahr nicht mit in’s Stadtzentrum. Dafür komm ich kurzerhand mit meiner Nachbarin der Einladung einer handvoll Libanesen nach. Also libanesischer Tanzabend mit originaler Shiha, Musik und Tanz vorgeführt von 5 Libanesen vor ca. 10 Italienerinnen und uns beiden. Vielleicht kommt es mir nur so vor, aber schon die Italienerinnen an meiner Uni hatten einen ausgeprägten Drang ins Ausland zu gehen ohne die dortige Sprache zu sprechen, geschweige denn Englisch. Also quasi nur Italienisch – kann doch jeder, oder?

Sonntag, 19. Oktober 2008

06 – 12|10 Projet "Mission Export"


Montag verlässt mich die Geduld und ich schwänze den Englischkurs, um zum Arzt zu gehen. Die Strapazen beim Arzt sind ausführlicher in Lektion N° 7 beschrieben. Jedenfalls bekomm ich andere Medikamente verschrieben und ich soll die vorher gekauften absetzten, woraus ich schließe, dass es die Falschen waren...(merde!)

Donnerstags: ein weiteres Highlight der Woche – Projektarbeit. Da alle
meine COMEX-Mitstreiter ein Unternehmen in dem Land kontaktieren, in dem sie im folgenden Semester ein Auslandsstudium absolvieren, ist dies für mich recht sinnlos. Zumal meine lieben Mitstreiter bis Oktober Zeit haben den Beleg zu einer unternehmensbezogenen Fragestellung abzugeben. Ich wurde dafür in die Gruppe einer Licence 3 (entspricht Abschlussjahrgang Bachelor) gesteckt, die ich alle überhaupt nicht kenne. Und so düs ich jeden Donnerstag quer durch die Stadt, um am Lycée international de Montebello ein Projekt über den Handel zwischen Deutschland und Frankreich zu arbeiten. Ich mach es kurz: es ist völlig sinnlos meiner Meinung nach. Alle Teilnehmer des Kurses haben sich kurzfristig (ohne mich zu fragen) umentschieden und behandeln nun Export in die Türkei, sodass ich mit einer Deutschen (nach Frankreich Ausgewanderten) zusammenarbeiten darf. Allerdings ist mir das Ziel und die Herangehensweise dieser ganzen Sache noch suspekt und auch ihr anscheinend noch nicht ganz klar.

Um dem Donnerstag noch den richtigen Abschluss zu geben, habe ich bis acht abends Französisch-Unterricht. Da das IAE für die Sprachlehrer bezahlen muss, reicht es nur für einen,
obwohl wir mindestens 4 verschiedene Sprachniveaus haben. Zu meinem Nachteil gehör ich eher zu den schlechtesten. Denn manche meiner Kursteilnehmer leben schon seit einem oder drei Jahren in Frankreich und sind für mein Empfinden nicht mehr von Franzosen zu unterscheiden. Noch dazu muss ich jetzt auf erhöhtem Niveau den Test schreiben und die Grammatikwiederholung, die ich dringend benötige, zu Hause an einem Onlineprogramm selbst machen. Die Note ergibt sich allerdings nicht nur aus der Abschlussprüfung, sondern zusätzlich aus 2 anzufertigenden Hausarbeiten. Wochenende ade!

Auf den Stress gibt es am Freitag nach der Vorlesung ein Glas Rotwein in der Sonne. Die muss man genießen, wenn sie sich mal zeigt! Am Abend steigt eine ordentliche Feier bei Laura aus meiner Comex-Gruppe. Die Gastgeberin empfängt uns mit Spaghetti Carbonara - eine gute Grundlage für den langen Abend. Es scheint auch ein Verkupplungsunternehmen dahinter zu stecken, denn sowohl für Laura als auch für Armandine werden potentielle Bewerber eingeladen. Von Stunde zu Stunde werden wir mehr und Laura zeigt uns ihre Gitarrenkünste. So richtige Herzschmerzstimmung kommt auf, als André (guter Freund von Armandine) "Halleluja" auf der Gitarre zum Besten gibt. Echtes Gänsehaut-feeling. Übrigens der erste Franzose, der ohne Dialekt Englisch singen kann. Die Mädels sind hin und weg. Aber gegen 12 brechen wir dann doch noch auf Richtung "7 heaven". Eigentlich hätte ich auch gern mal eine andere Disko kennengelernt, aber an dem Abend ist es mir mittlerweile völlig egal.

Mit mehreren Zwischenstops (Leute treffen, Geld abheben) auf unserem Weg stürmen wir gegen 1.20 Uhr das "7". Gott sei dank treffe ich diesmal keine alten Bekannten. Nach ausgiebigen Tanzen mit den Franzosen in bekannter Art und Weise, pfeift Laura gegen 5.00 Uhr zum Heimmarsch. Ich darf bei ihr übernachten und bin heilfroh nicht auf die erste Metro 6.30 Uhr warten zu müssen. Wir fallen schließlich halbtot bei ihr ins Bett.

Der Anblick ihrer Stube am nächsten Morgen bewirkt in mir den Drang zur Flucht. Aber ich kann sie so nicht allein lassen und so schrubben und putzen wir im alten Zigarettenmief gemischt mit Bier-, Wodka-O-Geruch. Selbst nach gröbster Schadensbehebung sieht man doch dauerthafte Spuren (Brandflecke auf dem Tisch). Ich denke, es war leider die letzte Feier bei Laura.

29|09 – 05|10 Jacqui und dann der Husten

Nicht nur das Ende der Woche wird ersehnt, sondern auch die Mitte der Woche wird gehuldigt. Da am Donnerstagvormittag keine Vorlesungen stattfinden, treffen wir uns am Mittwochabend bei Anna um richtige Cocktails zu genießen. Wir wollen gern „Jacqueline“ nachahmen, mit der Anne bereits bei der letzten Erasmusparty näher Bekanntschaft geschlossen hat. Jacqueline hat es echt in sich, sie ist süß und stark: Wodka + Weißwein + Limo + Grenadine (Sirup). Das Mischverhältnis ist Geschmackssache.
Jacqueline und wir 6 deutschen Mädels und 2 Holländerinnen empfangen Olivier, Mathieu und Jérémy aus meinem Kurs. Auch die Jungs finden Jacqui klasse, sodass bald auf Wodka-o umgestiegen wird. Ich begleite die „mecs“ zur Metrostation, denn 0:00 Uhr fährt auch die letzte stadteinwärts. Sie sehen zufrieden aus, denk ich mir. (Am Donnerstag erfahr ich, dass sie selbst nicht mehr wussten, wie sie nach Hause gekommen sind). Irgendwie ist uns noch nicht nach Schlafen und so geht es noch bis 3:00 Uhr mit Musikhören, schwatzen und mischen...

Metrostation "4 Cartons" auf dem Campus

Die Rechnung bekam ich postwendend an den darauffolgenden Tagen. Am Donnerstag noch leicht angeschlagen, will ich am Freitag schon nicht mehr weggehen. Das gesamte Wochenende verbringe ich im Bett. Ohne Mutti, die mir Tee und Suppe kocht. Da kann man ja nicht gesund werden!
meine Luxusbude

Noch dazu ist die Beschreibung von Reizhusten, Schnupfen und Gliederschmerzen in der Apotheke ein Erlebnis für sich. Mit gründlicher Vokabelrecherche vorab begebe ich mich schon arg angeschlagen zum Ort der erhofften Genesung und leg auch ordentlich Geld auf den Tisch. Leider wird es nicht so recht besser, obwohl ich mir absolute Bettruhe verordne! (Während die anderen schön weggehen am Samstag!)
Es gibt im super-entwickelten Frankreich auch nirgendwo Fencheltee, oder die gute ostdeutsche Pulmotin-Salbe! Ein Skandal!

Dienstag, 14. Oktober 2008

22 – 28|09 Vorlesungen und andere Grausamkeiten

Die erste Woche war noch Spaß, in der zweiten geht es mit Meilenstiefeln durch den Vorlesungsstoff. Wie es ist, immer nur die Hälfte zu begreifen, lernen ich hier ziemlich deutlich kennen. Am Anfang konnte ich mich noch freuen, dass ich überhaupt verstand, warum es prinzipiell ging, aber auf Dauer reicht das nicht, um nach 3 Stunden V-lesung noch Zusammenhänge zu begreifen. Auch 100-seitige Skripte bieten nicht viel Zuversicht, denn eine A4-Seite Fließtext über die industrielle Betriebswirtschaftslehre und E-Mutationen müssen erst einmal übersetzt sein. Das dauerte in etwa 2 Stunden.


Lichtblicke der Woche: 2mal Englischunterricht! Im Vergleich zu den anderen Vorlesungen eine echte Wohltat. Zwar scheint allseits bekannst zu sein, dass Franzosen nicht besonders gut Englisch sprechen können, dafür finde ich aber das Niveau des Unterrichts beachtenswert. Mittwochs geht es um Marketing und Montags um Finanzen. Besonders seltsam wirkt das Sprachlabor auf mich. Jeder Platz verfügt über einen Riesenkopfhörer – vom Design Raumfahrt - der an die „aktuellste“ Version eines Tonbandabspielgerätes (ca. aus 1980) angeschlossen ist. Dieses Gerät ist direkt in den Schreibtisch eingebaut. Der Prof spielt einen Film oder Tonband ab, das sogleich von den Tapes aufgenommen wird. Die millionenfache Bespielung der Kassetten trägt zu einem unvergleichlichen Klangerlebnis von Knarr- und Knarzgeräuschen bei. Ich habe mir bisher verkniffen einen Fotoapparat mitzunehmen, aber dieses Bild, wie alle mit den Kopfhörern dasitzen und wie wild die Vor- und Rückspultasten bedienen, ist urkomisch!

Es gibt auch eine erste Kennenlern-Party am Donnerstag der Gruppe COMEX bei Olivier. Er kann sich glücklicher Bewohner einer traumhaften Dachgeschosswohnung nennen, die direkt in der Innenstadt liegt. Abgesehen von den holzverkleideten Dachschrägen und dem Parketboden lassen mich die Aussicht aus seinem Fenster und die Platzfreiheit ein wenig neidisch werden, wenn ich dabei an mein Zimmerchen denke. Liebevoll nennen wir unsere Behausung übrigens „castle“. Am Samstag steht mal wieder ein Erasmus-Geburtstag an, der wie gewöhnlich im „7 heaven“ in der Stadt endet. Ich treffe dort alte Bekannte von vor 2 Wochen wieder.

Kurzer Exkurs in die unterschiedlichen Tanzverhalten deutscher und französischer Landsmänner. Während in deutschen Diskos die meisten von ihnen um die Tanzfläche verteilt stehen und das Angebot an weiblichen Artgenossen gründlich analysieren, hält es die Franzosen nicht von der Tanzfläche. In Deutschland verirren sich zumeist nur ganz mutige und bereits sehr stark angetrunkene Tänzer auf die Tanzfläche. Um dann noch ein Mädchen (sächs.: Kirsche, frz.: nana) anzutanzen, braucht es mindestens noch 3 Wodka-Redbull. Hingegen die französischen Jungs (sächs.: Kerle, frz.: mec) keine 5 Sekunden brauchen, um sich einzutanzen und gleich die erste „nana“ anzutanzen. Unglaublich, denn sie weichen einem auch nur ungern von der Seite - auch wenn aus denn Boxen „The Prodigy“ mit treibenden Bass dröhnt, „mecs“ sehen keinen Grund das eng umschlungene Kuscheltanzen zu unterbrechen! Da die Franzosen auch sehr stolz auf ihre Herkunft sind, hören sie gern 3 mal am Abend Justice mit „we are your friends“ und freuen sich auch, es ein 4. Mal zu hören.

Allerdings gibt es auch couragierte „mecs“. So haben sich meine Kommilitonen rührend für mich eingesetzt, als einer dieser Tanzpartner das Wort „non“ (nein) nicht so recht verstehen wollte. Das stalker-ähnliche Verhalten, umfassend mehr als 5 Anrufe am Tag inklusive unverabredetes Erscheinen vor meinem Gebäude, waren dann doch zu viel des Guten. Ein kurzer Anruf von Olivier und Mathieu genügte und ich war offiziell schon länger liiert. Es schadet prinzipiell nicht, sich für gewisse Situationen einen Scheinpartner anzuschaffen.

Fürs Leben lernen II

Lektion N°6: In Frankreich lies sich ein Vermögen im Sanitärbereich verdienen. Weder in öffentlichen Institutionen, wie die Universität oder mein Institut, noch in den Wohnheimen kann man die Arbeit der Reinigungskräfte erkennen. Die WCs meines Instituts erinnern an eine öffentliche (kostenlose) Toilette mitten auf der Straße des 17. Juni während der Love Parade. Meiner Vermutung nach liegt das zum einen an den mangelnden Verhaltensformen der französischen Landesmänner und zum anderen an der unregelmäßigen und motivationsabhängigen Durchführung der Reinigung.

Lektion N°7: Du bist schwer krank: arger Husten, der dich und deine Zimmernachbarin nicht hat schlafen lassen, Schnupfen und die restlichen Erkältungserscheinungen. Du quälst dich am frühen Morgen aus dem Bett, denn du willst erster sein. Erster in der Schlange vor dem „Maison universitaire de la Santé“ (Gesundheitszentrum), denn die Leistungen sind KOSTENLOS. Überaschenderweise öffnet das Gesundheitszentrum erst 8.30 Uhr. Okay eine halbe Stunde zu warten, nimmst du in Kauf, denn du stehst schon 8.00 Uhr vor der Tür. 8.30 Uhr kommt die erste Schwester und gibt den hilfreichen Hinweis, dass der Doktor erst ab 9.00 Uhr da ist. Okay, die halbe Stunde verbringst du mit anderen Organisationsaufgaben. 9.00 Uhr wird dir dann am Schalter die freundliche Auskunft erteilt, dass ohne einen Termin gar nichts geht, denn der Doktor ist ausgebucht. Man schlägt dir einen Termin in 5 Tagen vor oder empfiehlt dich an einen zu bezahlenden Arzt weiter. Was kostet schon die Welt (Frankreich)?

Lektion N°8: Die Abgründe des ÖPNV. Die Monats- sowie Wochenkarte können nur am Monats- bzw. Wochenbeginn gekauft werden. Dienstag ne Wochenkarte kaufen? Pas possible! Okay der Fahrkartenautomat mag meine Kreditkarte nicht, dass hat er mir durch laute Pfeifflaute unmissverständlich klar gemacht. Aber die 31 Euro mit einem 10 und einem 20 Euroschein plus Kleingeld bezahlen? –Wo denkst du hin? Nachdem die 20 Euro geschluckt sind, bitte nur noch in Münzen bezahlen!

Eine Monatskarte kann aber nicht einfach so kaufen! Dazu braucht man einen Fahrausweis, egal ob man eine Vergünstigung bekommt oder nicht...Diesen Ausweis muss man sich durch langes Anstellen an einem Schalter (siehe Lektion N°2) verdienen. Und die Zeit für die Zustellung per Post bitte nicht vergessen (siehe Lektion N°5).

Ich bin im Übrigen nach über 3 Wochen Aufenthalt hier stolzer Besitzer einer Monatskarte! Seit mehr als einer Woche gibt es baustellenbedingt eine Umleitung, sodass ich eine Straße ca. 7 min hinunterlaufen muss. Schon zu Beginn kann ich den Bus am anderen Ende erkennen, sodass ich jeden Morgen nach dem Bus renne. Der im besten Fall – ich hechelnd darin stehend – noch 5 Minuten auf seine planmäßige Abfahrt wartet. Irgendwann kommt der Tag x – es war ein Freitag – an dem die Umleitung aufgehoben wird (ohne Hinweis). Auf halber Strecke erkenn ich dies und muss einsehen, noch bis zur nächsten Haltestelle zu laufen. Es regnet, ich habe meinen Schirm vergessen, habe eine ordentliche Erkältung, habe meine Tasche mit schweren Dokumenten, meinem dicken Fachwörterbuch Französisch-Deutsch für Wirtschaft, Handel und Finanzen darin, habe meine Laptoptasche mit dem dafür vorgesehenen Inhalt um und noch dazu einen Beutel mit von jemanden vergessenen Sachen darin in der Hand und LAUFE. 15 Minuten später muss ich mir an der Haltestelle wartend eingestehen, dass der Bus nicht kommen will. Es gibt wohl einen Stau, Unfall o.ä. In der Zeit wäre ich jedenfalls längst am Institut angekommen und noch rechtzeitig zum Vorlesungsbeginn!

Lektion N°9: Es lebe das Heizöl-Sparen! 15 Grad Zimmertemperatur? –Klar, denn weder im Hörsaal noch im Wohnheim wird die Heizung vor Ende Oktober angestellt. Da weiß man, warum Ärzte hier nicht Hunger leiden müssen! Da freut man sich direkt nach der Vorlesung (in kompletter Montur bekleidet) nach draußen zu gehen und keinen Unterschied zu merken... Nur ein kleiner: draußen regnet es noch zumeist.

Donnerstag, 25. September 2008

Für's Leben lernen



Das Auslandssemester dient natürlich nicht nur der akademischen Weiterbildung sondern auch dem interkulturellen Austausch. An dieser Stelle einige meiner ersten Lektionen, die ich gelernt habe:

Lektion N°1: Wie komme ich bei rot über die Fußgängerampel ohne dabei zu Schaden zu kommen und trotzdem so viele Autofahrer wie möglich warten zu lassen?

Lektion N°2: Warten ist die Königsdisziplin, wenn man etwas besonders eilig braucht. Schnelles Arbeiten haben die französischen Landsmänner und –frauen von den Faultieren adaptiert. Um so länger die wartende Menschenschlange um so wichtiger die privaten Gespräche der Angestellten untereinander (um das anstehende Mittagessen oder Ähnliches).

Lektion N°3: Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht? Wieso einen Stundenplan für das gesamte Semester schreiben, wenn man diesen auch jede Woche wieder neu erfinden kann? Gleiches gilt selbstverständlich für den Raumplan.

Lektion N°4: Du beantragst ein wichtiges Dokument und überträgst die Kompetenz zur Erstellung dessen in - deiner Meinung nach – erfahrene Hände? Fataler Fehler solltest du dich darauf verlassen. Mehrmaliges Nachfragen, Nachhaken, Bohren sind unabdingbar. Und bitte nicht wundern und schon gar nicht aufregen, wenn eben diese wichtigen Dokumente gerade mal abhanden gekommen sind.

Lektion N°5: Posttechnisch liegt Lille – beziehungsweise der Campus – in der Antarktis. Den Postboten erzittert es schon beim Gedanken daran, hier vorbeizukommen. Also wird scheinbar einmal wöchentlich Post geliefert. Dann verfahren die Angestellten der Rezeption mit wichtigen Briefen und Paketen wie mit Käse – sie müssen reifen und möglichst lange liegen. Hierfür wird noch mal groß auf den Umschlag das Zielgebäude und –zimmer angegeben. Um den Reifeprozess zu verstärken wird aus Gebäude „N“ ein „O“. Diese Buchstaben sehen sich ja auch wirklich zum Verwechseln ähnlich!

15 bis 21|09 Schluss mit lustig!

Am Montag werde ich zwischen 9.00 und 16.00 Uhr mit Informationen vollgestopft, sodass ich danach kaum noch meinen Namen buchstabieren kann. Die Flut an französischen Begriffen hat mich gerade zu betäubt... Macht aber nichts, denn am Dienstag wird dieser Zustand noch mal vertrieft. Ich habe Glück und man sieht mir meine Hilflosigkeit förmlich an. Mit zehn Fragezeichen im Gesicht stehe ich vor dem Stundenplanaushang und mir wird sogleich Hilfe angeboten. Ein Hoch auf die französischen Umgangsformen.


mein Kurs: MSG, Option Commerce international (CI)

Jedenfalls ist meine eigentlich „Klasse“ ca. 15 Mann stark. Da immer jemand fehlt, konnte ich bisher noch nicht die Absolutzahl ermitteln. Dafür gab es in quasi jeder Vorlesung kleine Vorstellungsrunden vor dem Prof, schriftlich oder mündlich. Mir wird auch gleich in der ersten Vorlesung – Controlling – jegliche Illusion genommen, dieses Semester würde mir irgendwas geschenkt. Vor dem Prof sind eben doch alle gleich, kein Erasmus-bonus. Und statt uns eine nette Vorlesung zu halten, lässt er uns arbeiten. Ich versteh nur chinesisch und kann kaum den Kontenrahmen entziffern. Tja Liquiditätsplan heißt leider in Französisch nicht Liquiditätsplan.

Zur Entschädigung fahren wir nachmittags ins IKEA. Unvorstellbar was ich da erleben muss: es gibt nicht wie in Deutschland den tollen Hot-Dog mit Zwiebeln und Gurke so viel man möchte!!! Es gibt schon einen, aber der hat bis auf die Wurst keine Ähnlichkeit mit dem mir bekannten.

Zurück zur Uni: Durchschnittlich 2 Vorlesungen habe ich am Tag. Klingt wenig? Wenn man bedenkt, dass ein Vorlesung meistens 4 Stunden dauert, in der man höchstens 15 Minuten Pause einschiebt, reicht das völlig, finde ich. Es reicht jedenfalls um an die 10 Stunden zum Freitag in der Uni zu verbringen. Danach brauch ich dringend die Bestätigung, dass nicht nur ich das Gefühl habe, unten von oben nicht mehr unterscheiden zu können.

Es gibt ein Erasmustreffen von ca. 25 Mann in einem 10qm Zimmer. Stefano, der Gastgeber, kocht für alle original italienische Pasta mit einer legendären Soße. Meine Stimmung bessert sich von Nudel zu Nudel...

Holland-Deutschland-Stammtisch

Der Samstagabend endet wie gewöhnlich in einer Bar im Stadtzentrum, wo man alle Getränke als viel zu teuer empfindet. Aber was soll’s. Schließlich hat keine(r) Lust einen blauen Brief gleich im ersten Monat zu kassieren. Denn ab 10 Uhr ist Nachtruhe auf dem Campus und es wird deutlich darauf hingewiesen, dass Partys auf dem Zimmer absolut verboten sind. Ein blauer Brief im Posteingang bedeutet schon die letzte Mahnung. Beim nächsten - hopp – neue Bleibe suchen! Das Wochenende klingt gemütlich bei einem Film - „Donny Darko“ – aus. Da die Brieten unsere Gastgeber sind, gucken wir auf Englisch. Macht ja nichts, wir haben sowieso alle schon Wort-gulasch im Kopf...

Mittwoch, 17. September 2008

12|09 Was ist heute gleich noch mal?

Okay, wir haben zugegebenermaßen am Donnerstagabend schon reingefeiert... Nachdem wir die Verfilmung von „Die Tagebücher der Anne Frank“ auf französisch gesehen haben.

Zurück zum Tag des Geschehens:

Vor dem Vergnügen kommt die Arbeit. Das heißt noch mal in die Stadt fahren und eine Card Viva (Monatskarte) beantragen.

20.00 Treff in meinem Zimmer mit den anderen 4 deutschen Mädchen. Wir stoßen mit Sekt an. Prost! Und ich bekomme sogar ein Geschenk: eine wundergemütliche Tagesdecke für meine „Luxusliege“.

Vorglühen bei mir

21.00 Sturm auf den Gemeinschaftsraum der Bachelard-Wohnheims. Das zweite Geburtstagskind ist schon da und hat mit den Aufbauarbeiten begonnen: Musik, Licht, Getränke, Essen. Auch die ersten Gäste trudeln ein. Für uns gibt es Wein und Wodka Ahoj! Die Engländer schauen etwas skeptisch, aber spätestens als sie Brause im Mund anfängt zu kribbeln, lachen auch sie. 2 Runden Wodka Ahoj reichen meiner Meinung nach völlig aus.

vorm Wohnheim Bachelard

Nur Stefano ist fest überzeugt, ich solle noch Wein und Sekt und und und trinken... Naja, einen Schluck... Da es bereits nach 23.00 Uhr ist, hab ich mich moralisch schon vom Diskoabend verabschiedet, da 24.00 Uhr die letzte Metro fährt.

Torben, -_-, Stefano

Da rückt Anne nicht von mir ab und drängelt, dass wir doch noch los wollen. Okay, ich bin dabei! Ich sag denen, die ich noch treffe Bescheid und wir rennen los Richtung Metro-Station: singend, lachend, grölend. Viktoria entledigt sich dabei noch ihrer Schuhe. Geschafft! Wir sitzen in der Metro: die wegen dem Wodka Ahoj aufgetauten Engländer, the party animal Mathieu (Belgier), Viktoria, Anna, Anne, Micha und ich. Eine kleine feine Partyrunde! Wir entscheiden uns kurzerhand für das 7 heaven. Gott sei Dank übernimmt Sarah die Rolle des Guide – meine Orientierungsfähigkeiten sind etwas beschränkt zu der Zeit :o)

Anne, Anna, Robert (GB)

Im 7 heaven ist kaum was los, doch nach einer halben Stunde tanzen wir Mann an Mann. Es wird elektronische Musik gespielt – zu meinem Glück, zum Leid der anderen. Aber die Stimmung lässt an nichts zu wünschen übrig. Außerdem bleibt uns keine andere Wahl: die erste Metro fährt erst nach 5!

Da die Cola hier schon 5 Euro und der Cocktail 8 kostet gehen wir noch mal zwischendurch in eine Bar um die Ecke... Sozusagen vortrinken. Zurück im „7“ quatschen wir mit einem Franzosen, der auf seiner Jacke einen Aufnäher der deutschen Fahne hat. Aber deutsch spricht er natürlich nicht...

Als der Laden schon fast leer ist, machen wir uns auch auf den Weg Richtung Wohnheim. Kurz vor 6 Uhr steigen wir in die Metro. Da mein Wohnheim am anderen Ende des Campus liegt, bleibe ich noch sitzen, als die anderen schon aussteigen... Nach 10 Minuten realisiere ich, dass die Metro sich nicht weiterbewegt. Gut. Dann eben aussteigen und im flotten Joggingschritt nach Hause gegangen. Der Campus ist menschenleer und es ist finster. Ja, es gruselt mich schon. Aber ich komme wohlbehalten im Ganzen in meinem Zimmer an. Nach einer Schüssel Müsli geht es auch endlich ins Bett!

Was für ein Geburtstag!!!!!!

08 bis 11|09 Vacances!

Urlaub – oder so ähnlich! In Wirklichkeit hirsche ich jeden Tag über den Campus, um organisatorische Dinge zu klären: Studentenausweis abholen, in der Bibo einschreiben.... und in der Sonne sitzen! Naja, ein wenig Erholung muss es ja auch geben! Außerdem laufen wir aller 2 Tage ins „Auchun“ einkaufen. Die 20 Minuten Wegstrecke sind machbar, nur auf dem Rückweg mit Wasserflaschen, Sekt, Cola und Wodka schmerzt allmählich der Rücken... Der Alkohol wird selbstverständlich für das Wochenende eingekauft :o)

Abends treffen wir uns mit den anderen Erasmusstudenten und besetzen abwechselnd die Zimmer in den verschiedensten Wohnheimen...

07|09 Sonntagsruhe


Erst einmal ausschlafen und die müden Glieder von der Anstrengung auf der Braderie erholen lassen. Die anderen sind noch so kaufwütig, dass sie am Nachmittag noch einmal in die Stadt fahren – nicht für mich!


Aber den Ausflug in eine Bar am Abend lass ich mir nicht entgehen. Und so sind wieder Mal 5 deutsche Studentinnen unterwegs... Wir suchen eine Bar und schlendern vorbei an den wunderschönen kleinen Läden in der Altstadt mit Pop Art Bildern, Schmuck, Klamotten. Gott sei Dank sind alle Läden schon zu... Wir nehmen dann in einer kleinen Bar Platz, die an eine Wohnzimmer erinnert. Wir haben Glück: Happy Hour! Das heißt wir bestellen alle einen Cocktail für nur 5 EURO, sonst 8! Aber Cocktails sind nicht gerade die Meisterdisziplin der Franzosen, es empfiehlt sich sonst Wein zu trinken.

Montag, 8. September 2008

Braderie! 05 und 06|09


06|09

Braderie – ganz Lille wird zum riesigen Flohmarkt umfunktioniert, zu dem über 2 Millionen Menschen aus ganz Frankreich, Belgien und Umgebung kommen. Wir treffen uns gegen 3 und fahren rein. Es scheint sogar die Sonne! Schon die Metro wird beängstigend voll, was nur ein kleiner Vorgeschmack auf die Menschenmassen in den Straßen ist. Gleich in der 2ten Straße entdecke ich ein Schaltuch und eine Tasche für mich- nur als Souvenir – versteht sich. Zig Menschenstaus weiter flanieren wir vorbei an Ständen mit Essen, Klamotten, Schnickschnack und Trödel bis wir auf der Citadelle auf dem Rummel landen. Wir durchqueren noch die Altstadt und sind nach nur 3 Stunden knülle.

Eigentlich ist der Plan noch einmal nach Hause zu fahren. Jedoch gibt es mit der Metro ein Problem, das ca. 2 Stunden dauern soll – eine Katastrophe. Jedenfalls besorgen wir uns ein kleines Picknick und machen es uns auf dem Platz vor dem Euralille (größtes Einkaufszentrum Lilles) gemütlich und warten auf das kostenlose Livekonzert. Es kommt Texas und Amy MacDonald. Die Atmosphäre ist echt super. Wenn die Fuß- und Rückenschmerzen nicht wären, dann wäre es perfekt.

Der eigentlich Höhepunkt soll die Frankreich-Ausgabe des ..-sucht-den-Superstar sein, allerdings ist der Typ echt seltsam, ebenso wie seine Musik. Die hinzugestoßenen Deutschen mussten übrigens vom Campus aus laufen, was so ca. über eine Stunde dauerte, da nach 21.00 Uhr immer noch keine Metro fährt. Ich stell mich mental schon auf den Marsch ein und hör schon meine Sohlen flehen. Gott sei Dank fährt sie wieder, als wir uns auf den Weg Richtung wohlverdientes Bett machen.

05|09

Halb acht aufstehen ist keine gute Idee. Es dreht im Magen und mir schlottern die Knie – den ganzen Tag! Mittags gibt es zum x-ten mal Tütensuppe: super! Nach dem Sprachkurs geht es ganz schnell nach Hause, um bis halb zehn im Halbkoma zu verbringen. Selbst Musik, Klopfen an meiner Tür, das Öffnen dieser und mich Ansprechen halten mich nicht von meinem tiefen Schlaf ab. Man hätte mich glatt klauen können. Der Film (auf Deutsch!) bei Hanni rundet den Abend ab...

Endlich: ERASMUS-Leben 04|09

Nachmittags findet die "Réunion ERASMUS" statt. Übersetzt heißt das: Infoveranstaltung für alle ERASMUS-Studenten im vollen Hörsaal, während die Profs schnell, undeutlich und lediglich mit der ersten Reihe sprechen. Klar ist: wir müssen für alles extra zahlen: Sport, Kulturangebot etc. Ebenso wie für die Monatskarte brauchen wir dafür und das Essen in den Mensa unseren Studentenausweis. Wann wir den bekommen steht noch in den Sternen...

Der Lichtblick folgt, als wir im Anschluss auf ein Glas Sekt eingeladen werden. Wir verabreden uns alle für abends... Juhu!

Mit ca. 30 Erasmus-Studenten geht es mit der Metro ins Stadtzentrum. Wir fallen in ein Pub ein und beschlagnahmen dort zu gut wie alle Plätze inklusive der Tanzfläche. Nach einem Bier zappeln wir alle im Rhythmus der 80er und 90er bis sogar House-Musik gespielt wird...

die ERASMUS-Truppe auf dem Weg

Völlig zufrieden uns absolut fertig geht es mit der letzten Metro nach Hause. Das Starkbier hat es echt in sich. Und schließlich wartet Freitag ein laaaaaaaaaanger Französisch-Tag auf uns.

Yo, Mädels! Es wird fleißig getanzt! Wir lernen auch Franzosen kennen....