Samstag, 15. November 2008

27|10 – 02|11 Endlich: Sightseeing!

Am Montag bezieht meine Controlling-Gruppe bestehend aus Mathieu, Benjamin und meiner Wenigkeit nach dem Englischkurs ein lauschiges Plätzchen im McDo am großen Platz, um an unserem Beleg zu arbeiten. Wir vergleichen die bisherigen Ausarbeitungen, die jeder zu einem Teilgebiet angefertigt hat – nebenbei kann ich es mir nicht verkneifen, die Menschen, die vor unserem riesigen Fenster passieren, zu analysieren. Zurück zum Thema: überraschenderweise liefere ich mit Abstand den umfangreichsten Text, da ich dachte jede Zahl erläutern zu müssen. Mir kann es egal sein, denn korrigieren darf meine Ergüsse ein anderer (meistens der arme Mathieu).

Ansonsten verläuft die Woche verhältnismäßig ruhig. Der Campus wirkt wie leer gefegt, da die gesamte Uni eine Woche Ferien hat – aber selbstverständlich nicht am IAE! Nte, nte, nte! Die lieben Studenten des IAE dürfen schön fleißig weiter zur Uni gehen, während wirklich ganz Frankreich Ferien genießt. Die Folgen erkennt man deutlich im Auchun (Supermarkt), dort kann man vor Menschenmassen kaum noch treten.

Außer uns IAE-Studenten residieren auch noch die übrigen eingewanderten Studenten auf dem Campus, d.h. vornehmlich muslimischer oder afrikanischer Herkunft. Manchmal frag ich mich, ob ich überhaupt noch in Europa bin. Das ein oder andere Mal verlässt mich auch das Sicherheitsgefühl, wenn ich in der Metro von einer Gruppe „Gosses“ von der Seite blöd angemacht werde. Leider kann man da wenig tun, denn um ins Stadtzentrum zu kommen muss ich unweigerlich durch die von sozialen Konflikten geprägten Vorstadtgebiete wie „Triolo“.

Am Freitag bekomm ich endlich Besuch aus der Heimat: mein Paps , seine Freundin und meine kleine Schwester wollen sich Lille nicht entgehen lassen und haben quasi ein Wochenende mit Guide „Steffi“ gebucht. Wir bummeln am Abend durch die Innenstadt und kehren in das eine oder andere Geschäft ein. Als uns der Magen schon in den Kniekehlen hängt suchen wir uns ein kleines Resto. Die von mir erspähte Crêperie ist leider geschlossen aber wir finden ein gemütliches, schickes, typisch nordisches Resto in der Nähe des großen Platzes. Nach 20 Minuten studieren der französischen Karte ohne Wörterbuch bekommen wir auch eine englische, sodass wir dann doch nach etwa einer halben Stunde etwas bestellen, von dem wir ungefähr eine Vorstellung haben. Als krönenden Abschluss gibt es Crème brûlée, typische französische Nachspeise bestehend aus Caramel-crème auf der sich befindende Rohrzucker mithilfe von Alkohol angezündet und somit auch karamellisiert wird. Danach rollen wir förmlich in unsere jeweiligen Nachtlager.

Samstag ist Petrus uns nicht gut gewillt und es nieselt fleißig vor sich hin. Also schlendern wir am Vormittag noch etwas durch die Geschäft, um nach einem deutschen Stullen-Mittag nach Brügge aufzubrechen. Dort schüttet und windet es weiter, aber wir drehen eine ordentliche Runde und finden die Stadt trotz allem unheimlich schön. Besonders beeindruckt uns im Café die von Annalena bestellte heiße Schokolade: ein Stück Schokolade am Stiel das in die heiße Milch getaucht wird. Meine Kaffee verkeehrt (NL) lässt mich auch schnell die nassen Füße vergessen. Abends kredenz ich uns eine Chili con Carne à la manière „schnell gekocht für Studenten“ in meiner Luxusküche. Übrigens eine ausgezeichnete Basis für den ausgiebigen Abend der noch folgt. Armandine hat geladen zu ihrer Einzugsfeier. Ich nächtige zum Glück bei Laura, wobei „nächtigen“ hier als 5 Stunden komaähnlicher Schlaf verstanden werden kann.

Dass Lille nicht als Großstadt bezeichnet werden kann, beweist sich am Sonntagmorgen. Nichtsahnend, verkatert und unerfrischt mach ich mich von Laura auf den Weg zur Metro – und da treffe ich meine kleine Reisegruppe! Im Süden von Lille! Obwohl ihr Hotel mehr oder weniger im Norden liegt!

Nach meiner nachgeholten (und dringend notwendigen) Dusche gehen wir anlässlich des Geburtstages meines Paps in eine urische Kneipe, die mir wegen ihres „Welsh“ wärmstens empfohlen wurde. Kurzum ich bestell es und kann förmlich meine Galle stöhnen hören, denn dem Auflauf bestehend aus einer Scheibe Toast mit Schinken und viel, viel, viel , viel, oberviel Käse überbacken mangelt es nicht an Fett. Die beiliegenden Pommes setzen noch einen drauf. Die Nachspeise spar ich mir... Am Nachmittag heißt es dann auch schon Abschied nehmen. Leider, denn es war schön auch mal als Tourist Lille zu entdecken.

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