Montag verlässt mich die Geduld und ich schwänze den Englischkurs, um zum Arzt zu gehen. Die Strapazen beim Arzt sind ausführlicher in Lektion N° 7 beschrieben. Jedenfalls bekomm ich andere Medikamente verschrieben und ich soll die vorher gekauften absetzten, woraus ich schließe, dass es die Falschen waren...(merde!)
Donnerstags: ein weiteres Highlight der Woche – Projektarbeit. Da alle meine COMEX-Mitstreiter ein Unternehmen in dem Land kontaktieren, in dem sie im folgenden Semester ein Auslandsstudium absolvieren, ist dies für mich recht sinnlos. Zumal meine lieben Mitstreiter bis Oktober Zeit haben den Beleg zu einer unternehmensbezogenen Fragestellung abzugeben. Ich wurde dafür in die Gruppe einer Licence 3 (entspricht Abschlussjahrgang Bachelor) gesteckt, die ich alle überhaupt nicht kenne. Und so düs ich jeden Donnerstag quer durch die Stadt, um am Lycée international de Montebello ein Projekt über den Handel zwischen Deutschland und Frankreich zu arbeiten. Ich mach es kurz: es ist völlig sinnlos meiner Meinung nach. Alle Teilnehmer des Kurses haben sich kurzfristig (ohne mich zu fragen) umentschieden und behandeln nun Export in die Türkei, sodass ich mit einer Deutschen (nach Frankreich Ausgewanderten) zusammenarbeiten darf. Allerdings ist mir das Ziel und die Herangehensweise dieser ganzen Sache noch suspekt und auch ihr anscheinend noch nicht ganz klar.
Um dem Donnerstag noch den richtigen Abschluss zu geben, habe ich bis acht abends Französisch-Unterricht. Da das IAE für die Sprachlehrer bezahlen muss, reicht es nur für einen,
Auf den Stress gibt es am Freitag nach der Vorlesung ein Glas Rotwein in der Sonne. Die muss man genießen, wenn sie sich mal zeigt! Am Abend steigt eine ordentliche Feier bei Laura aus meiner Comex-Gruppe. Die Gastgeberin empfängt uns mit Spaghetti Carbonara - eine gute Grundlage für den langen Abend. Es scheint auch ein Verkupplungsunternehmen dahinter zu stecken, denn sowohl für Laura als auch für Armandine werden potentielle Bewerber eingeladen. Von Stunde zu Stunde werden wir mehr und Laura zeigt uns ihre Gitarrenkünste. So richtige Herzschmerzstimmung kommt auf, als André (guter Freund von Armandine) "Halleluja" auf der Gitarre zum Besten gibt. Echtes Gänsehaut-feeling. Übrigens der erste Franzose, der ohne Dialekt Englisch singen kann. Die Mädels sind hin und weg. Aber gegen 12 brechen wir dann doch noch auf Richtung "7 heaven". Eigentlich hätte ich auch gern mal eine andere Disko kennengelernt, aber an dem Abend ist es mir mittlerweile völlig egal.
Mit mehreren Zwischenstops (Leute treffen, Geld abheben) auf unserem Weg stürmen wir gegen 1.20 Uhr das "7". Gott sei dank treffe ich diesmal keine alten Bekannten. Nach ausgiebigen Tanzen mit den Franzosen in bekannter Art und Weise, pfeift Laura gegen 5.00 Uhr zum Heimmarsch. Ich darf bei ihr übernachten und bin heilfroh nicht auf die erste Metro 6.30 Uhr warten zu müssen. Wir fallen schließlich halbtot bei ihr ins Bett.
Der Anblick ihrer Stube am nächsten Morgen bewirkt in mir den Drang zur Flucht. Aber ich kann sie so nicht allein lassen und so schrubben und putzen wir im alten Zigarettenmief gemischt mit Bier-, Wodka-O-Geruch. Selbst nach gröbster Schadensbehebung sieht man doch dauerthafte Spuren (Brandflecke auf dem Tisch). Ich denke, es war leider die letzte Feier bei Laura.
