Lektion N°6: In Frankreich lies sich ein Vermögen im Sanitärbereich verdienen. Weder in öffentlichen Institutionen, wie die Universität oder mein Institut, noch in den Wohnheimen kann man die Arbeit der Reinigungskräfte erkennen. Die WCs meines Instituts erinnern an eine öffentliche (kostenlose) Toilette mitten auf der Straße des 17. Juni während der Love Parade. Meiner Vermutung nach liegt das zum einen an den mangelnden Verhaltensformen der französischen Landesmänner und zum anderen an der unregelmäßigen und motivationsabhängigen Durchführung der Reinigung.
Lektion N°7: Du bist schwer krank: arger Husten, der dich und deine Zimmernachbarin nicht hat schlafen lassen, Schnupfen und die restlichen Erkältungserscheinungen. Du quälst dich am frühen Morgen aus dem Bett, denn du willst erster sein. Erster in der Schlange vor dem „Maison universitaire de la Santé“ (Gesundheitszentrum), denn die Leistungen sind KOSTENLOS. Überaschenderweise öffnet das Gesundheitszentrum erst 8.30 Uhr. Okay eine halbe Stunde zu warten, nimmst du in Kauf, denn du stehst schon 8.00 Uhr vor der Tür. 8.30 Uhr kommt die erste Schwester und gibt den hilfreichen Hinweis, dass der Doktor erst ab 9.00 Uhr da ist. Okay, die halbe Stunde verbringst du mit anderen Organisationsaufgaben. 9.00 Uhr wird dir dann am Schalter die freundliche Auskunft erteilt, dass ohne einen Termin gar nichts geht, denn der Doktor ist ausgebucht. Man schlägt dir einen Termin in 5 Tagen vor oder empfiehlt dich an einen zu bezahlenden Arzt weiter. Was kostet schon die Welt (Frankreich)?
Lektion N°8: Die Abgründe des ÖPNV. Die Monats- sowie Wochenkarte können nur am Monats- bzw. Wochenbeginn gekauft werden. Dienstag ne Wochenkarte kaufen? Pas possible! Okay der Fahrkartenautomat mag meine Kreditkarte nicht, dass hat er mir durch laute Pfeifflaute unmissverständlich klar gemacht. Aber die 31 Euro mit einem 10 und einem 20 Euroschein plus Kleingeld bezahlen? –Wo denkst du hin? Nachdem die 20 Euro geschluckt sind, bitte nur noch in Münzen bezahlen!
Eine Monatskarte kann aber nicht einfach so kaufen! Dazu braucht man einen Fahrausweis, egal ob man eine Vergünstigung bekommt oder nicht...Diesen Ausweis muss man sich durch langes Anstellen an einem Schalter (siehe Lektion N°2) verdienen. Und die Zeit für die Zustellung per Post bitte nicht vergessen (siehe Lektion N°5).
Ich bin im Übrigen nach über 3 Wochen Aufenthalt hier stolzer Besitzer einer Monatskarte! Seit mehr als einer Woche gibt es baustellenbedingt eine Umleitung, sodass ich eine Straße ca. 7 min hinunterlaufen muss. Schon zu Beginn kann ich den Bus am anderen Ende erkennen, sodass ich jeden Morgen nach dem Bus renne. Der im besten Fall – ich hechelnd darin stehend – noch 5 Minuten auf seine planmäßige Abfahrt wartet. Irgendwann kommt der Tag x – es war ein Freitag – an dem die Umleitung aufgehoben wird (ohne Hinweis). Auf halber Strecke erkenn ich dies und muss einsehen, noch bis zur nächsten Haltestelle zu laufen. Es regnet, ich habe meinen Schirm vergessen, habe eine ordentliche Erkältung, habe meine Tasche mit schweren Dokumenten, meinem dicken Fachwörterbuch Französisch-Deutsch für Wirtschaft, Handel und Finanzen darin, habe meine Laptoptasche mit dem dafür vorgesehenen Inhalt um und noch dazu einen Beutel mit von jemanden vergessenen Sachen darin in der Hand und LAUFE. 15 Minuten später muss ich mir an der Haltestelle wartend eingestehen, dass der Bus nicht kommen will. Es gibt wohl einen Stau, Unfall o.ä. In der Zeit wäre ich jedenfalls längst am Institut angekommen und noch rechtzeitig zum Vorlesungsbeginn!
Lektion N°9: Es lebe das Heizöl-Sparen! 15 Grad Zimmertemperatur? –Klar, denn weder im Hörsaal noch im Wohnheim wird die Heizung vor Ende Oktober angestellt. Da weiß man, warum Ärzte hier nicht Hunger leiden müssen! Da freut man sich direkt nach der Vorlesung (in kompletter Montur bekleidet) nach draußen zu gehen und keinen Unterschied zu merken... Nur ein kleiner: draußen regnet es noch zumeist.

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