Sonntag, 30. November 2008

10 – 16|11 Kulturerlebnis Kino

Dienstag (11.11.) ist Nationalfeiertag – da feiern die Franzosen, dass sie die Deutschen 1918 besiegt haben. In Deutschland essen wir an dem Tag Pfannkuchen und stecken uns Pappnasen an. Tja, so unterschiedlich können Kulturen sein!

Da also Dienstag keine Vorlesungen stattfinden, auch nicht am IAE, geht es am Montag zu einer Black-and-White-Party bei den Schotten im Luxuswohnheim. Nachdem die ersten Minuten des Schocks vor Neid verstrichen sind, kann man es sogar genießen und träumt nur gelegentlich davon auch ein eigenes Bad mit Dusche und WC zu haben...

Am Samstag gehe ich zur Ablenkung vom Lernen mit meiner Luise und Hanni ins Kino. Dort entfaltet sich französische Desorganisation in ihrer reinsten Weise. Erst an eine lange Schlange zum Ticket kaufen anstellen, schön Mann an Mann. Danach pfropfbildend vor dem Eingang zusammenfinden. Da gehen einige rein, manche aber auch nicht. Also wollen wir siegessicher hindurchschreiten, aber nein, wir sind noch nicht dran (15 Minuten vor Filmbeginn). Wie auf dem Flughafen gibt es eine Anzeige, die die freigegebenen Kinosäle grün markiert, folglich die noch geschlossenen rot. Nur leider muss man hier schon mit der Nase auf dem Bildschirm landen, um etwas zu erkennen, was aufgrund der Menschentraube eben kaum möglich ist. Also an die Seite stellen und nach 2 Minuten noch einmal probieren und sich durchwirschen. Juhu, drin! Wir gucken „Vicky, Christina, Barcelo“ auf Englisch mit französischen Untertitel und ich bin von den Originalstimmen wie von der Geschichte total entzückt. Und bekomm sofort Fernweh. Hoppla, bin ja schon fern – aber eben nicht im Süden!

Freitag, 28. November 2008

03 – 09|11 And the winner is....

Freude: Eine ganze Woche vollgestopft mit Vorlesungen! Am Mittwoch gönn ich mir trotz allem den Deutsch-Unterricht und das lohnt sich! Der Prof hat von 7.3o bis 7.55 das Frühstücksmagazin im ZDF aufgenommen, um uns 8.oo die noch dampfenden, denn ofenfrischen Neuigkeiten der Wahlen in den USA zu präsentieren. Ich habe Bauklötzer gestaunt! Und wie albern ich die Moderatoren fand! Wenn man lange nicht fernsieht, kommt einem das ganze Getue unheimlich albern vor.

Auch in Geopolitik haben wir noch darüber gesprochen, also ich habe vielmehr nur zugehört. Dabei brachte der Prof ein Beispiel seiner letzten Prüfungsfragen. Also eine Frage für 3 Stunden Romanschreiben zu einem Thema wie diesem: Inwiefern beeinflusste der Zusammenbruch der UdSSR den der USA? (freie Übersetzung meiner Wenigkeit) Na, da fallen einem doch gleich tausende von Ansatzpunkten ein – nur haben die alle nichts mit dem Thema zu tun...

Am Donnerstag lass ich mich überreden und geh zu dem von unserem Studiengang organisierten Sportabend. Heut ist Fußball dran. Als wir 2 mal 5 Mädels uns um den Ball kämpeln haben die 4 Männermannschaften auf der Bank reichlich was zu lachen. Aber! Nach anfänglichem Chaos und Gegacker kommen sogar ansatzweise vernünftige Spielzüge zustande! Und ich schieß ein Tor!!!! Und bekomm auch gleich nen Spitznamen verpasst: Ballack! Warum denn nicht LAHM???? Dann wartet nur noch ein arbeitsreiches Wochenende auf mich.

Samstag, 15. November 2008

27|10 – 02|11 Endlich: Sightseeing!

Am Montag bezieht meine Controlling-Gruppe bestehend aus Mathieu, Benjamin und meiner Wenigkeit nach dem Englischkurs ein lauschiges Plätzchen im McDo am großen Platz, um an unserem Beleg zu arbeiten. Wir vergleichen die bisherigen Ausarbeitungen, die jeder zu einem Teilgebiet angefertigt hat – nebenbei kann ich es mir nicht verkneifen, die Menschen, die vor unserem riesigen Fenster passieren, zu analysieren. Zurück zum Thema: überraschenderweise liefere ich mit Abstand den umfangreichsten Text, da ich dachte jede Zahl erläutern zu müssen. Mir kann es egal sein, denn korrigieren darf meine Ergüsse ein anderer (meistens der arme Mathieu).

Ansonsten verläuft die Woche verhältnismäßig ruhig. Der Campus wirkt wie leer gefegt, da die gesamte Uni eine Woche Ferien hat – aber selbstverständlich nicht am IAE! Nte, nte, nte! Die lieben Studenten des IAE dürfen schön fleißig weiter zur Uni gehen, während wirklich ganz Frankreich Ferien genießt. Die Folgen erkennt man deutlich im Auchun (Supermarkt), dort kann man vor Menschenmassen kaum noch treten.

Außer uns IAE-Studenten residieren auch noch die übrigen eingewanderten Studenten auf dem Campus, d.h. vornehmlich muslimischer oder afrikanischer Herkunft. Manchmal frag ich mich, ob ich überhaupt noch in Europa bin. Das ein oder andere Mal verlässt mich auch das Sicherheitsgefühl, wenn ich in der Metro von einer Gruppe „Gosses“ von der Seite blöd angemacht werde. Leider kann man da wenig tun, denn um ins Stadtzentrum zu kommen muss ich unweigerlich durch die von sozialen Konflikten geprägten Vorstadtgebiete wie „Triolo“.

Am Freitag bekomm ich endlich Besuch aus der Heimat: mein Paps , seine Freundin und meine kleine Schwester wollen sich Lille nicht entgehen lassen und haben quasi ein Wochenende mit Guide „Steffi“ gebucht. Wir bummeln am Abend durch die Innenstadt und kehren in das eine oder andere Geschäft ein. Als uns der Magen schon in den Kniekehlen hängt suchen wir uns ein kleines Resto. Die von mir erspähte Crêperie ist leider geschlossen aber wir finden ein gemütliches, schickes, typisch nordisches Resto in der Nähe des großen Platzes. Nach 20 Minuten studieren der französischen Karte ohne Wörterbuch bekommen wir auch eine englische, sodass wir dann doch nach etwa einer halben Stunde etwas bestellen, von dem wir ungefähr eine Vorstellung haben. Als krönenden Abschluss gibt es Crème brûlée, typische französische Nachspeise bestehend aus Caramel-crème auf der sich befindende Rohrzucker mithilfe von Alkohol angezündet und somit auch karamellisiert wird. Danach rollen wir förmlich in unsere jeweiligen Nachtlager.

Samstag ist Petrus uns nicht gut gewillt und es nieselt fleißig vor sich hin. Also schlendern wir am Vormittag noch etwas durch die Geschäft, um nach einem deutschen Stullen-Mittag nach Brügge aufzubrechen. Dort schüttet und windet es weiter, aber wir drehen eine ordentliche Runde und finden die Stadt trotz allem unheimlich schön. Besonders beeindruckt uns im Café die von Annalena bestellte heiße Schokolade: ein Stück Schokolade am Stiel das in die heiße Milch getaucht wird. Meine Kaffee verkeehrt (NL) lässt mich auch schnell die nassen Füße vergessen. Abends kredenz ich uns eine Chili con Carne à la manière „schnell gekocht für Studenten“ in meiner Luxusküche. Übrigens eine ausgezeichnete Basis für den ausgiebigen Abend der noch folgt. Armandine hat geladen zu ihrer Einzugsfeier. Ich nächtige zum Glück bei Laura, wobei „nächtigen“ hier als 5 Stunden komaähnlicher Schlaf verstanden werden kann.

Dass Lille nicht als Großstadt bezeichnet werden kann, beweist sich am Sonntagmorgen. Nichtsahnend, verkatert und unerfrischt mach ich mich von Laura auf den Weg zur Metro – und da treffe ich meine kleine Reisegruppe! Im Süden von Lille! Obwohl ihr Hotel mehr oder weniger im Norden liegt!

Nach meiner nachgeholten (und dringend notwendigen) Dusche gehen wir anlässlich des Geburtstages meines Paps in eine urische Kneipe, die mir wegen ihres „Welsh“ wärmstens empfohlen wurde. Kurzum ich bestell es und kann förmlich meine Galle stöhnen hören, denn dem Auflauf bestehend aus einer Scheibe Toast mit Schinken und viel, viel, viel , viel, oberviel Käse überbacken mangelt es nicht an Fett. Die beiliegenden Pommes setzen noch einen drauf. Die Nachspeise spar ich mir... Am Nachmittag heißt es dann auch schon Abschied nehmen. Leider, denn es war schön auch mal als Tourist Lille zu entdecken.

Freitag, 14. November 2008

20 – 26|10 Der ganz normale Wahnsinn...

Also zu Beginn der Woche gleich das Beste: internationales Steuerwesen, hmmmmmm! Abgesehen von diesem überaus illustrierten und unterhaltsamen Themengebiet sorgt auch der Prof für Training von Körper und Geist seiner Studenten: die Erklärungen sind hinreichend schlecht, seine wilden Tafelbilder uneindeutig und sein Körpergeruch zum Davonlaufen! So sitzen 15 arme Studenten in einem schlauchförmigen Raum, sodass jeder von uns der 1. oder wenigsten 2. Reihe sitzen darf und halten uns ein parfümiertes Taschentuch vor Nase und Mund oder atmen einfach nicht. Nach 15 Minuten landet spätestens der erste Kopf auf dem Tisch – wegen akuten Sauerstoffmangel treten schwerwiegende Müdigkeitserscheinungen auf.

Dienstag: der Prof von „Internationales Vertragswesen“ (also Recht) ist auch nicht von diesem Stern. Ein mindestens 2 Meter großer Schlacks mit kinnlagem Haar, der sich anmutig vor der Tafel hin und her bewegt. Er scheint witzig zu sein – ich versteh jedenfalls seine bildhaften Erklärungen nicht. Jedenfalls kommt er immer mindestens 30 Minuten zu spät – variiert nach Tageslaune. Wer nach ihm kommt, erntet trotzdem böse Blicke.

Mittwoch: Wir feiern bei meiner Kollegin Justin mit Pizza und Wein. Übrigens trinken die Franzosen wirklich viel Rotwein. Was dem Deutschen das Feierabend-Bier ist dem Franzosen seine Flasche Rotwein. Sinnbild eines durchweg verdorbenen Abends: nichts im Kühlschrank (nicht einmal eine Ecke Käse) und noch dazu kein Wein. Und rot muss er sein! Da ich wohlerzogen die letzte Metro nehme, verpass ich das beste vom Abend! Aber die Schilderungen am Folgetag lassen so Einiges erahnen...

Freitag: 8.30 Uhr IAE (mein Institut) liegt noch im Dunkeln, es fängt an zu dämmern. Alle Studenten stehen vor dem verschlossenen Vorlesungssaal. Wer fehlt? –der Prof. Aufgrund einer Doppelbelegung (super Organisation der Franzosen) fällt die Vorlesung quasi aus. Wir genehmigen uns ein ordentliches Frühstück bei McDo bestehend aus Pfannkuchen mit Ahornsirup und Kaffee. Lecker!

Die Übung am Nachmittag zur ausgefallen Vorlesung am Vormittag ist dafür umso anstrengender. 7 Seiten englischer Text über die Internationalisierungs-Strategie von CocaCola. Dazu sollen Fragen - auf französisch natürlich – beantwortet werden. Ich bin in einer Gruppe von 5 Mann eine der glücklichen Auserwählten und die Präsentation unserer Ergebnisse verläuft auch recht erfolgreich, bis ich eben an der Reihe bin. Keine Absprache vorab – angestupst von der Seite – „alles Stef!“ (=los Stef) – stammel ich ein paar Sätze zusammen. Leider kann ich auch die tollen Abkürzungen auf unserem Antwortzettel nicht entziffern. Währenddessen zeichnen sich tiefe Grübelfalten im Gesicht des Profs ab (Doktorant vom schönen Kontinent Afrika). Wenigsten beruht das Unverstehen auf Gegenseitigkeit – ich versteh ihn wegen seines afrikanischen Dialekts nämlich auch nicht (so wie zu 50 % auch die anderen Studenten).

Ich entspanne mich bei 2 Stunden ausgiebigen Badminton und fühl mich besser. Bis am Folgetag der Muskelkater einsetzt! Was mich natürlich nicht davon abhält nach erledigten Hausaufgaben zu einer Vor-party (Fotos: pré-party) zu Armandine zu fahren. Ein typischer Abend der COMEX-Gruppe!

Sonntag, 9. November 2008

13|10 – 19|10 Patriotismus

Eine wichtige Erfahrung, die ich aus dem Auslandssemester mitnehmen werde, ist das Gefühl, sich nicht sorgen zu müssen, aus Deutschland zu kommen. Sicherlich habe ich mir vorher darüber nicht so viele Gedanken gemacht, aber hier bin ich zum ersten Mal darauf aufmerksam geworden, dass das Bild der Deutschen im Ausland gar nicht so schlecht ist. Abgesehen von den üblichen Klischees werden auch die Vorzüge, wie Organisation und Pünktlichkeit geschätzt. Noch außergewöhnlicher erschien mir das hohe Ansehen der deutschen Wirtschaft und deutscher Produkte. Vor allem in den Vorlesungen „industrielles Management und e-Mutationen“ sowie in „Unternehmens-Internationalisierung“, selbst im Englisch-Unterricht (Beispiel Autostadt Wolfsburg) werden oft deutsche Firmen als positive Beispiele genannt oder die besonders gute wirtschaftliche Positionierung Deutschland betreffend In- und Export besprochen.

Noch spannender ist der Deutsch-Unterricht für meine COMEX-Kollegen, den ich mir ab und zu gönne. Hier werde ich regelmäßige über die aktuelle Entwicklung in Deutschland in Kenntnis gesetzt. Der Prof spricht ein deutlicheres und grammatikalisch exakteres Deutsch als ich und verfügt darüber hinaus über den Empfang von ZDF. In Abstinenz von deutschen Fernsehen und Radio bin ich wirklich nicht up-to-date und froh über jede heimatliche Information, auch wenn es nur das Morgenmagazin ist. Ich spreche für meine lieben Kollegen ganz, ganz, ganz langsam und krame mein bestes Hochdeutsch aus. Jedenfalls ist es schön, mal die anderen schwitzen zu sehen, weil einem das gesuchte Wort grad nicht einfallen will...

Erstmalig diese Woche: Fitness-Kurs Dienstag von 19.00 bis 20.00 Uhr. Der Trainer allein ist schon einen Besuch wert. Ja, ein jungscher Franzose italienischer, spanischer, libanesischer, türkischer oder ich-weiß-nicht-was-für-einer Herkunft hüpft vor einer Truppe von 40 Mädels rum, die während der Übungen ständig gackern wie ein riesiger Hühnerhaufen. Das ist sogar so ansteckend, dass es mir schwer fällt meine sit-ups ordentlich zu machen. Jedenfalls macht es riesigen Spaß, die Stimmung ist echt außergewöhnlich.

Am Freitag verlieb ich mich Hals-über-Kopf. Ich bin einfach hin und weg... Nach 5 Folgen Prison-Break am Stück dank DVD weiß ich nicht mehr, wie mir dieses Sahnestück entgehen konnte! Absolute Suchtgefahr. Den Fakt, dass der Hauptdarsteller homosexuell ist, kann ich wunderbar verdrängen. Enttäuscht war ich trotzdem, als ich davon erfuhr.

Am Freitag klopft es an meiner Tür, als ich gerade dabei bin mich zum Weggehen fertig zu machen - meine Nachbarin (afrikanischer Herkunft) und eine weitere Gangmitbewohnerin (libanesischer Herlunft). Ich sack die beiden ein, denn sie haben keine Pläne, und nehme sie mit zu Christine. Dort wird für den Abend in der Disko vorgefeiert... Ich denke an meine vielen, vielen Hausaufgaben und fahr nicht mit in’s Stadtzentrum. Dafür komm ich kurzerhand mit meiner Nachbarin der Einladung einer handvoll Libanesen nach. Also libanesischer Tanzabend mit originaler Shiha, Musik und Tanz vorgeführt von 5 Libanesen vor ca. 10 Italienerinnen und uns beiden. Vielleicht kommt es mir nur so vor, aber schon die Italienerinnen an meiner Uni hatten einen ausgeprägten Drang ins Ausland zu gehen ohne die dortige Sprache zu sprechen, geschweige denn Englisch. Also quasi nur Italienisch – kann doch jeder, oder?