Mittwoch, 3. Dezember 2008

17 – 23|11 Einmal Riesenrad, bitte!

Die Woche startet gleich mit einem aufregenden Auftakt: ich halte in Englisch einen Vortrag über deutsche Weihnachtsmärkte. Ich habe mir extra etwas Nettes für unsere Lehrerin einfallen lassen. Sie behandelt uns gern wie pubertierende Jugendliche, denen noch unbedingt Normen und Werte beigebracht werden müssen. Ein kleines Beispiel: Laura geht nächstes Semester nach Spanien zum Studieren. Als Grund führt sie neben Kultur und Kunst auch an, dass sie die spanische Art des Feierns mag. –Voila! Antwort unseres Profs: „Da kann ich mir ja lebhaft vorstellen, was sie da machen werden...“

So, dachte ich mir, damit unsere Lehrerin etwas lockerer wird, lass ich just original Dresdner Glühwein importieren und wärm ihn auch extra vor dem Vortrag auf. Das kommt gut an! Und auch unsere Madame-super-Streng ist sogleich viel entspannter. Dazu reiche ich noch eine Kostprobe Stollen, den auch alle absolut lecker finden. Das einzige was noch fehlt sind die rauchenden Räuchermännchen, aber ich fühl mich schon ganz heimisch. Die Vorlesung am Nachmittag ging so leicht angedüdelt auch gleich viel schneller rum... Eine angenehme Art sich nicht zu sehr zu stressen... Leider hatte der Glühwein bei einigen Müdigkeit hervorrufende Wirkung.

Dafür war der Dienstag umso anstrengender. 9.oo Uhr Treff am IAE um unseren Beleg für den Folgetag fertig zu stellen. 10.3o - unser 3. Gruppenmitglied trifft endlich ein – nachdem die Einkäufe in Ruhe erledigt sind... Jedenfalls muss noch 1/3 des Textes komplett überarbeitet werden, denn da lauern nicht wenige inhaltliche Unverständlichkeiten, sondern auch Rechtschreibfehler. So, nun könnte man denken: ist ja klar, wenn da eine Ausländerin dran schreibt... HA! Das war aber gar nicht mein Textteil! Und weil das noch nicht reicht, wird *simsalabim* noch eine Ansammlung von „wichtigen“ Kennzahlen aus dem Hut gezaubert, die alle noch einen Tag vor Abgabe berechnet und ausgewertet werden müssen. Leider hat man die aber nicht dabei: drum heißt es warten. 13.oo schieb ich darum eine Projektbesprechung zum Thema interkulturelles Management ein. 14.oo geht es dann fix zur gleichnamigen Vorlesung bis 17.3o. Im Anschluss wird an der Baustelle Beleg weitergearbeitet. Etwa eine Stunde später ist der Inhalt soweit zusammengepusselt. Ich flitz nach Hause, schling mein Abendbrot hinunter und arbeite bis 0.oo an der Formatierung. Ein Hoch auf die französische Arbeitsweise: alles auf den letzten, aber auch allerletzten Drücker!

Mittwoch fühl ich mich, wie nicht geschlafen und bin völlig breit. Da stellt sich heraus, dass nicht nur eine Dateiversion per Email ausreicht, sondern auch noch ausgedruckt werden muss. Ich werde dann auch noch ernsthaft gefragt: „wollen wir also ausdrucken, oder nicht?“ Und bin kurz davor an die Decke zu springen. Mal ehrlich: ich würde das Schicksal meiner Belegarbeit (die im Übrigen 40% der Endnote liefert) NIEMALS in die Hände eine ERASMUS-studentin legen! Naja, französische Gelassenheit eben. „Kümmer dich nicht, das wird schon alles“ („T’inquiètes pas! Ca va aller!“) Der Englisch-Prof bemerkt auch noch meine häufige Geistesabwesenheit und kündigt voller Freude an, dass er mir in der kommenden Woche während meiner Mündlichprüfung folglich auch nicht zuhören wird. Grrr!

Am Donnerstag reiche ich offiziell die Kündigung meines Mietvertrages ein und bin damit unwiderruflich Ende Dezember ausgezogen. Ein wenig traurig ist das schon, trotz der Strapazen. Denn so richtig viel Zeit bleibt mir nun nicht mehr und den Großteil werde ich wohl mit Lernen verbringen...

Um mich zu entspannen geh ich am Donnerstag-Abend auf die Studiengangsfeier die anlässlich des Projekttages veranstaltet wird. In Gruppen von 5 Mann sind meine Kameraden schon den ganzen Tag durch den Schlamm gerrobt oder haben Sackhüpfen veranstaltet (übrigens während ich schön artig an meiner „mission export“ gearbeitet habe). Kurzum es wird bis dato der spektakulärste Abend der MSG-Gruppe. Laura und ich sind unter den letzten 10 die gegen 3.oo Uhr aus dem Club gefegt werden, der nur für unsere Feier reserviert war... Es wurde auf Tische getanzt und auch drunter. Nur gut, dass es davon kein Beweismaterial gibt.

Am Freitag nach der letzten Vorlesung flitze ich nach Hause, um noch die letzten Vorbereitungen zu Treffen für das Wochenende. Denn Steffi kommt gegen 21.oo Uhr am Bahnhof Garre Lille Flandre an, wo ich sie auch in Empfang nehme... Hach, es ist, als hätte man sich gestern erst gesehen... Ich zaubere uns ein kleines Abendbrot bei mir und wir fallen – beide total fix und foxi – nach noch langem Schnattern ins Bett.

Samstag steht Sightseeing auf dem Plan. Also dick eingepackt geht es im Zick-Zack durch die Altstadt. Nachdem schon meine Füße kalt sind und die Lippen bibbern gehen wir einen Kaffee schlürfen und beobachten von unserem Logenplatz eine Brautkleidanprobe im Geschäft gegenüber. Köstlich, wie alle Passanten stehen bleiben und sich eine Geste der Zustimmung nicht verkneifen können. Das Kleid sieht aber auch hinreißend aus! Nachher schlendern wir auch in das ein oder andere Geschäft – gehört ja schließlich auch zu einer Stadtbesichtigung: regionaltypischer Einzelhandel.

Nach einem stärkenden Abendbrot (abermals in meiner hightech-Küche) brechen wir auf zum Tanzabend. Und typischerweise deutsch stehen wir 23.oo mit noch 2 deutschen Erasmusstudenten vor dem Club, der erst 3o Minuten später öffnet, weil die Damen mit Kasse noch nicht da sind (3o Minuten Verspätung entspricht hier etwa Pünktlichkeit). Macht ja nichts, ist ja nur hundskalt draußen. Also nutzen wir die Zeit für einen Smalltalk mit einer Gruppe Jugendlicher. Nachdem es endlich reingeht, dauert es auch nicht lange und der Club ist bis unter das Dach voll – schließlich ist es auch Lille’s bekanntester Elektro-Schuppen. Die Franzosen flippen völlig aus zu DJ „brodinski“ (ja, klingt eher nach einem Polen) – french elektro eben.

Am Sonntag schlafen wir erst mal ordentlich aus und machen uns als es schon dunkel wird noch mal auf den Weg Richtung Stadt und Weihnachtsmarkt, der natürlich nicht mit unseren vergleichbar ist. Aber immerhin. Es schneit Riesenflocken und wir freuen uns wie kleine Kinder bis das Wasser in unsere Schuhe läuft. Leider ist das schon nach den ersten 100 Metern auf dem Weg zu Metro der Fall. Aber keine von uns beiden sagt etwas – aus Verlegenheit. Eine kurze Runde über den Weihnachtsmarkt gedreht und eine flämische Waffel tippelnd genascht, gestehen wir uns ein, dass es nichts bringt und drehen um. Bei unserm 2. Versuch sind die Schuhe imprägniert und wir haben uns Tüten über die Socken gezogen. Und es funktioniert! Damit bleiben mir auch keine Ausreden mehr und Steffi überredet mich zum Riesenradfahren. Und dass obwohl ich soooooo Höhenangst hab. Aber der Ausblick ist echt super und das Geld und die Aufregung echt Wert. Nur komisch, dass wir statt wie die anderen nicht 4 sondern 6 Runden drehen.... Mit festen Boden unter den Füßen fühl ich mich eben doch am wohlsten.

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