Sonntag, 28. Dezember 2008

08 – 14|12 Jacki Revival

Zum Eingewöhnen auf die Prüfungswoche wird in der PrüfungsVORwoche schon eine Präsentation, ein Mal Englisch schriftlich, Französisch mündlich und interkulturelles Management über die Bühne gebracht. Kann nur von Vorteil sein, denn sonst müsste ich auch noch am Ende (wie manch andere) 3 Prüfungen an einem Tag schreiben.

Während der Präsentation bin ich wieder einmal erstaunt, dass der Kauderwelsch, den ich von mir gebe, auch wirklich Sinn macht. Auch die übrigen Vorträge sind zum Großteil interessant, bestätigen aber wieder den Eindruck, dass der durchschnittliche Franzose, am liebsten sich selber reden hört. Ein 20 Minuten-Vortrag wird dann mal eben auf 40 Minuten ausgedehnt, indem zur Erklärung kultureller Unterschiede zwischen der australischen und französischen Arbeitsweise auch die Flora und Fauna Australiens unbedingt erläutert werden muss.


Ich brauch dringend Bewegung und gönn mir darum am Abend eine Runde Aerobic. Abwechslung muss auch mal sein. Also muss ich mich notgedrungener Weise danach noch bis Mitternacht über die Englischtexte hängen, denn am nächsten Tag steht Englisch schriftlich auf dem Plan.

Vorsorglicher Weise steh ich gegen acht auf, um wie zur Vorlesung gegen zehn da zu sein. Ich wiederhole gerade noch ein paar Vokabeln, da klingelt mein Handy: Was sei denn passiert, wo sei ich und auch Claudia (eine weitere Studentin aus Deutschland)? Tja, die Englischprüfung findet doch 8 Uhr statt und die zweite Fremdsprache 10 Uhr. Ups. Ich dachte eben um zehn „Mais c’est une erreur!“. Mir rutscht das Herz in die Hose und beginnt danach zu flattern. Ich darf trotzdem gegen 9.30 kommen und meine 2 Stunden schreiben. Puh, Glück gehabt. Allerdings ist das kein besonders gelungener Start in die Schriftlichprüfung.


Nachmittags heißt es lernen, lernen, lernen und nochmals lernen: Seitenweise Definitionen, die selbst für Franzosen zum Teil nicht voneinander unterscheidbar sind.

Die französisch mündlich Prüfung versuche ich auch ganz locker anzugehen und bereite mich nicht gezielt darauf vor, schließlich hör ich ja den ganzen Tag Französisch, n’est-ce pas?! Wir müssen Fragen zu einem Monolog von Kassette beantworten. Als wir es zum ersten Mal gehört haben, fragt Saskia: war’s das schon? – mh, ja, so einfach wie erhofft war es leider doch nicht.


Die Prüfung am Freitag kann man durchaus als fair bezeichnen, nichts desto trotz bin ich fürchterlich aufgeregt und total knülle danach. Mein Magen spielt auch verrückt, sodass ich quasi voll-nüchtern zu Anna aufbreche. Dort feiert 20.00 Uhr die 5-Mädels-Gruppe made in Germany ihren AbschiedsfeierVORfeier. Das heißt wir bringen uns mithilfe von Jacki (Jackeline = Cocktail, siehe 29|09 – 05|10) in die richtige Stimmung für die letzte Erasmusfeier, die so gegen 22.00 Uhr losgehen soll. Zu der Zeit habe ich bereits wider meiner guten Vorsätze 2 Gläser intus (à 0,5l), sodass ich bereits 23.30 den Heimweg antrete. D.h. ich war nicht auf der Erasmusfeier, habe mich nicht von den anderen verabschieden können und noch dazu höllische Kopfschmerzen am Samstag – der vorletzte Tag zum lernen. Allerdings beweisen die Videos, dass es das Wert war. Keine von uns wird diesen Abend vergessen und auch keiner der übrigen Wohnheimbewohner, denn unsere Musik - verschönt von unserem Gesang und Tanz- hat quasi den ganzen Flur unterhalten. Somit sind von nun an Mia, Peter Fox, Hund am Strand & Co. auch Frankreich bekannt.


Wie man sich vorstellen kann, fällt mir das Lernen am Folgetag nicht so leicht. Ich versuche es vorerst mit Lesen im Liegen und nicht zu viel bewegen. Gegen Abend bessert sich zum Glück mein Wohlbefinden einigermaßen.

Montag, 22. Dezember 2008

01 – 07|12 Es geht in den Endspurt

Die Vorlesungsdichte nimmt zum Glück seicht ab, sodass wenigstens Zeit bleibt sich auf die wichtigen Dinge des Studentendaseins vorzubereiten - die Prüfungen! Die Woche steht noch ein Mal im Namen des Controllings und ich sehne mir dringlich das Ende herbei! Am Dienstag basteln wir fleißig an unserer Präsentation, die nur so vor Graphiken und Tabellen strotzt. Da meine lieben Kollegen keinen Fabel für Power Point haben, setzte ich mich am Abend dran die Formatierung zu vollenden.


Mittwoch: mir dreht sich der Magen und auch dreimaliges Wiederholen hat mir kaum mehr Sicherheit verschafft. Also Augen zu durch... Da wir alle den gleichen Fall bearbeitet haben, sind alle 6 Gruppen unheimlich scharf drauf, als erste zu präsentieren. Also werden Lose angefertigt. Ich ziehe: die 1! Insgeheim find ich das aber gar nicht so toll, denn ich hätte auch gern noch mal kurz durchgeatmet. Aber es läuft... Unsere 44 Folien strapazieren zwar dann doch die Geduld der Zuhörer, aber der Prof scheint im Ganzen recht zufrieden zu sein. Die Hänger bei 7-stelligen Zahlen verzeiht er mir auch großzügig... Zu meinem Glück.

Um gefühlte 10 Kilo auf dem Herzen leichter schwebe ich nach Hause, nachdem wir noch 2 Stunden an der Präsentation für die Folgewoche gearbeitet haben. Fortgesetzt wird unsere Gruppenarbeit am Freitag nach der letzten Vorlesung in diesem Semester. Wir machen es uns im Informatik-Raum gemütlich.


Ich will nebenbei ein paar Folien der letzten Vorlesungen ausdrucken und geh siegessicher zum Drucker. Dort hantiert eine Kollegin mit Blättern rum und schafft es scheinbar nicht den Drucker zum Laufen zu bringen. Voll optimistisch leg ich mein Papier ein, nachdem sie aus dem Zimmer verschwindet. Aber auch ich habe kein Glück und lass es nach einigen Versuchen sein. Währenddessen ist Madame „Ich-weiß-ja-wie-es-geht“ zurück und macht sich erneut am Drucker zu schaffen. Als er dann wie durch ein Wunder dann doch beginnt zu drucken, schallt es durch den Raum :“Ey, la polonaise!“ Wie? Ich?! „Oui, tu n’as pas arreté ton imprimé?????“. Äh, nein, ich konnte meinen Druckauftrag nicht anhalten. Das versteht sie aber nicht und schiebt fleißig ihre Blätter in den Drucker, bis sie begreift ihn anhalten zu müssen. Zum Schluss kommt sie noch angestapft und verlangt 5 Blätter: „5 feuilles, j’ai besoin 5 feuilles, car tes imprimés ont imprimé toutes mes feuilles!“ Okay, kannst gerne 5 Blätter haben, wenn dich das glücklich macht. Anscheinend ist sie Studenten, der französischen Sprache nicht im gleichen Maße mächtig, nicht besonders gesonnen. Dass sie Maroccanerin ist steht noch dazu auf einem anderen Blatt.


Freitagabend gönn ich mir ein Kontrastprogramm und geh trotz Angeschlagenheit zum

Badminton. Danach veranstaltet Christin bei sich ein Trash-Wichteln. Zusammen mit den Italienern, Engländern, den deutschen und holländischen Mädels und meiner Nachbarin feiern wir den Soirée de Saint-Nicolas. Jeder bringt sein Geschenk ein und nach dem was der Würfel sagt, werden die Geschenke rechtsum, linksum ausgetauscht oder der Platz gewechselt, während das Geschenk liegen bleibt. Beim Entpacken nach gut 1 Stunde Würfelspiel und der ein oder anderen halb aufgerissen Verpackung kommen gar lustige Dinge zum Vorschein: Playmobil, ein roter Glitzer-Vogel-Haarschmuck, Furzkissen, rosa Ohrenschützer und das Highlight – Plastikpistolen à la „wilder-westen-im-Kinderzimmer“. Danach geht es zu den Schotten, wo wir den Abend angemessen mit Champagner (frz. für jede Sorte Sekt) ausklingen lassen.


Das war’s dann aber schon auch bezüglich Wochenend-Vergnügen. Denn die kommenden Prüfungen wollen auch vorbereitet sein..

24 – 30|11 Schluss mit lustig

Montag morgen heißt es schon wieder Abschiednehmen. Und ich muss echt ranbüffeln für die 2 Prüfungen am Mittwoch. Englisch mündlich verläuft recht schmerzfrei: angekommen, Tür auf, Steffi rein, „Good morning“, blabla, 10 Minuten rum, Steffi raus, fertisch! Und dafür stundenlang Text gelesen! Dafür bin ich vor der Prüfung „internationales Steuerwesen“ super aufgeregt. Ich bin immerhin schon mal zufrieden, etwas schreiben zu können, obwohl das Niveau meiner Sätze einer 4. Klasse entsprechen.. Immerhin! Es ist einfach zu anstrengend in einer halben Stunde 3 Seiten über die Hälfte des Vorlesungsstoffs zu referieren und dabei noch an die Ausdruckweise zu denken. Abends gibt es wie Üblich ein kleines Treffen bei Laura mit Pizza, Cockies und anderen Leckerein.

Die Quittung flattert am Donnerstag herein. Ich habe unheimliche Halsschmerzen als ich aufstehe. Zum Glück habe ich noch eine Vorrat von deutschen Medikamenten und nehme gleich, was mir so in die Finger fällt. Trotz allem bin ich Freitag zu müde und muss die erste Vorlesung ausfallen lassen, um ein wenig zu schlafen. Und zum Badminton kann ich auch nicht gehen, was mich am meisten nervt...

Also sitze ich am Samstag 8.3o in Raum 06, Bâtiment B5 vor einem bunten Blatt auf dem ich mit Bleistift runde Kreise ausmale, die zusammen meinen Namen ergeben. Die Anmeldung
zum TOEIC-Test ähnelt einer Malstunde 1. Klasse. Nach einer halben Stunde Kreise ausmalen zur Identifikation von Geschlecht, Sprache, bisherigen Englischerfahrungen wundert mich nur, dass sie nicht noch meine Unterwäschengröße wissen wollen... und es kann losgehen.1 Stunde lang gilt es Dialogen von der Kassette zu lauschen und nach Multiple-Choise-Prinzip wieder Kreise A B C oder D auszumalen. Während der Sprecherpausen versuche ich meinen Husten unterzubringen, um nicht die andere zu stören. Geschnäuzt wird dann immer nach Ende eines Aufgabenblocks. Die 2. Stunde sind Texte zu lesen und wieder im bekannten Stile Kreise auszumalen. Mit brummende Kopf verlassen wir dann 11.oo den Saal und haben endlich Wochenende!
Ich mach mich auf den Weg und gehe Wäsche waschen. Aufgrund des regen Betriebes im Waschsalon kommen auch schnell 3 Stunden zusammen... Aufregenderes passiert wohl auch nicht mehr an diesem Wochenende, denn meine Erkältung hat mich voll im Griff.

Mittwoch, 3. Dezember 2008

17 – 23|11 Einmal Riesenrad, bitte!

Die Woche startet gleich mit einem aufregenden Auftakt: ich halte in Englisch einen Vortrag über deutsche Weihnachtsmärkte. Ich habe mir extra etwas Nettes für unsere Lehrerin einfallen lassen. Sie behandelt uns gern wie pubertierende Jugendliche, denen noch unbedingt Normen und Werte beigebracht werden müssen. Ein kleines Beispiel: Laura geht nächstes Semester nach Spanien zum Studieren. Als Grund führt sie neben Kultur und Kunst auch an, dass sie die spanische Art des Feierns mag. –Voila! Antwort unseres Profs: „Da kann ich mir ja lebhaft vorstellen, was sie da machen werden...“

So, dachte ich mir, damit unsere Lehrerin etwas lockerer wird, lass ich just original Dresdner Glühwein importieren und wärm ihn auch extra vor dem Vortrag auf. Das kommt gut an! Und auch unsere Madame-super-Streng ist sogleich viel entspannter. Dazu reiche ich noch eine Kostprobe Stollen, den auch alle absolut lecker finden. Das einzige was noch fehlt sind die rauchenden Räuchermännchen, aber ich fühl mich schon ganz heimisch. Die Vorlesung am Nachmittag ging so leicht angedüdelt auch gleich viel schneller rum... Eine angenehme Art sich nicht zu sehr zu stressen... Leider hatte der Glühwein bei einigen Müdigkeit hervorrufende Wirkung.

Dafür war der Dienstag umso anstrengender. 9.oo Uhr Treff am IAE um unseren Beleg für den Folgetag fertig zu stellen. 10.3o - unser 3. Gruppenmitglied trifft endlich ein – nachdem die Einkäufe in Ruhe erledigt sind... Jedenfalls muss noch 1/3 des Textes komplett überarbeitet werden, denn da lauern nicht wenige inhaltliche Unverständlichkeiten, sondern auch Rechtschreibfehler. So, nun könnte man denken: ist ja klar, wenn da eine Ausländerin dran schreibt... HA! Das war aber gar nicht mein Textteil! Und weil das noch nicht reicht, wird *simsalabim* noch eine Ansammlung von „wichtigen“ Kennzahlen aus dem Hut gezaubert, die alle noch einen Tag vor Abgabe berechnet und ausgewertet werden müssen. Leider hat man die aber nicht dabei: drum heißt es warten. 13.oo schieb ich darum eine Projektbesprechung zum Thema interkulturelles Management ein. 14.oo geht es dann fix zur gleichnamigen Vorlesung bis 17.3o. Im Anschluss wird an der Baustelle Beleg weitergearbeitet. Etwa eine Stunde später ist der Inhalt soweit zusammengepusselt. Ich flitz nach Hause, schling mein Abendbrot hinunter und arbeite bis 0.oo an der Formatierung. Ein Hoch auf die französische Arbeitsweise: alles auf den letzten, aber auch allerletzten Drücker!

Mittwoch fühl ich mich, wie nicht geschlafen und bin völlig breit. Da stellt sich heraus, dass nicht nur eine Dateiversion per Email ausreicht, sondern auch noch ausgedruckt werden muss. Ich werde dann auch noch ernsthaft gefragt: „wollen wir also ausdrucken, oder nicht?“ Und bin kurz davor an die Decke zu springen. Mal ehrlich: ich würde das Schicksal meiner Belegarbeit (die im Übrigen 40% der Endnote liefert) NIEMALS in die Hände eine ERASMUS-studentin legen! Naja, französische Gelassenheit eben. „Kümmer dich nicht, das wird schon alles“ („T’inquiètes pas! Ca va aller!“) Der Englisch-Prof bemerkt auch noch meine häufige Geistesabwesenheit und kündigt voller Freude an, dass er mir in der kommenden Woche während meiner Mündlichprüfung folglich auch nicht zuhören wird. Grrr!

Am Donnerstag reiche ich offiziell die Kündigung meines Mietvertrages ein und bin damit unwiderruflich Ende Dezember ausgezogen. Ein wenig traurig ist das schon, trotz der Strapazen. Denn so richtig viel Zeit bleibt mir nun nicht mehr und den Großteil werde ich wohl mit Lernen verbringen...

Um mich zu entspannen geh ich am Donnerstag-Abend auf die Studiengangsfeier die anlässlich des Projekttages veranstaltet wird. In Gruppen von 5 Mann sind meine Kameraden schon den ganzen Tag durch den Schlamm gerrobt oder haben Sackhüpfen veranstaltet (übrigens während ich schön artig an meiner „mission export“ gearbeitet habe). Kurzum es wird bis dato der spektakulärste Abend der MSG-Gruppe. Laura und ich sind unter den letzten 10 die gegen 3.oo Uhr aus dem Club gefegt werden, der nur für unsere Feier reserviert war... Es wurde auf Tische getanzt und auch drunter. Nur gut, dass es davon kein Beweismaterial gibt.

Am Freitag nach der letzten Vorlesung flitze ich nach Hause, um noch die letzten Vorbereitungen zu Treffen für das Wochenende. Denn Steffi kommt gegen 21.oo Uhr am Bahnhof Garre Lille Flandre an, wo ich sie auch in Empfang nehme... Hach, es ist, als hätte man sich gestern erst gesehen... Ich zaubere uns ein kleines Abendbrot bei mir und wir fallen – beide total fix und foxi – nach noch langem Schnattern ins Bett.

Samstag steht Sightseeing auf dem Plan. Also dick eingepackt geht es im Zick-Zack durch die Altstadt. Nachdem schon meine Füße kalt sind und die Lippen bibbern gehen wir einen Kaffee schlürfen und beobachten von unserem Logenplatz eine Brautkleidanprobe im Geschäft gegenüber. Köstlich, wie alle Passanten stehen bleiben und sich eine Geste der Zustimmung nicht verkneifen können. Das Kleid sieht aber auch hinreißend aus! Nachher schlendern wir auch in das ein oder andere Geschäft – gehört ja schließlich auch zu einer Stadtbesichtigung: regionaltypischer Einzelhandel.

Nach einem stärkenden Abendbrot (abermals in meiner hightech-Küche) brechen wir auf zum Tanzabend. Und typischerweise deutsch stehen wir 23.oo mit noch 2 deutschen Erasmusstudenten vor dem Club, der erst 3o Minuten später öffnet, weil die Damen mit Kasse noch nicht da sind (3o Minuten Verspätung entspricht hier etwa Pünktlichkeit). Macht ja nichts, ist ja nur hundskalt draußen. Also nutzen wir die Zeit für einen Smalltalk mit einer Gruppe Jugendlicher. Nachdem es endlich reingeht, dauert es auch nicht lange und der Club ist bis unter das Dach voll – schließlich ist es auch Lille’s bekanntester Elektro-Schuppen. Die Franzosen flippen völlig aus zu DJ „brodinski“ (ja, klingt eher nach einem Polen) – french elektro eben.

Am Sonntag schlafen wir erst mal ordentlich aus und machen uns als es schon dunkel wird noch mal auf den Weg Richtung Stadt und Weihnachtsmarkt, der natürlich nicht mit unseren vergleichbar ist. Aber immerhin. Es schneit Riesenflocken und wir freuen uns wie kleine Kinder bis das Wasser in unsere Schuhe läuft. Leider ist das schon nach den ersten 100 Metern auf dem Weg zu Metro der Fall. Aber keine von uns beiden sagt etwas – aus Verlegenheit. Eine kurze Runde über den Weihnachtsmarkt gedreht und eine flämische Waffel tippelnd genascht, gestehen wir uns ein, dass es nichts bringt und drehen um. Bei unserm 2. Versuch sind die Schuhe imprägniert und wir haben uns Tüten über die Socken gezogen. Und es funktioniert! Damit bleiben mir auch keine Ausreden mehr und Steffi überredet mich zum Riesenradfahren. Und dass obwohl ich soooooo Höhenangst hab. Aber der Ausblick ist echt super und das Geld und die Aufregung echt Wert. Nur komisch, dass wir statt wie die anderen nicht 4 sondern 6 Runden drehen.... Mit festen Boden unter den Füßen fühl ich mich eben doch am wohlsten.

Sonntag, 30. November 2008

10 – 16|11 Kulturerlebnis Kino

Dienstag (11.11.) ist Nationalfeiertag – da feiern die Franzosen, dass sie die Deutschen 1918 besiegt haben. In Deutschland essen wir an dem Tag Pfannkuchen und stecken uns Pappnasen an. Tja, so unterschiedlich können Kulturen sein!

Da also Dienstag keine Vorlesungen stattfinden, auch nicht am IAE, geht es am Montag zu einer Black-and-White-Party bei den Schotten im Luxuswohnheim. Nachdem die ersten Minuten des Schocks vor Neid verstrichen sind, kann man es sogar genießen und träumt nur gelegentlich davon auch ein eigenes Bad mit Dusche und WC zu haben...

Am Samstag gehe ich zur Ablenkung vom Lernen mit meiner Luise und Hanni ins Kino. Dort entfaltet sich französische Desorganisation in ihrer reinsten Weise. Erst an eine lange Schlange zum Ticket kaufen anstellen, schön Mann an Mann. Danach pfropfbildend vor dem Eingang zusammenfinden. Da gehen einige rein, manche aber auch nicht. Also wollen wir siegessicher hindurchschreiten, aber nein, wir sind noch nicht dran (15 Minuten vor Filmbeginn). Wie auf dem Flughafen gibt es eine Anzeige, die die freigegebenen Kinosäle grün markiert, folglich die noch geschlossenen rot. Nur leider muss man hier schon mit der Nase auf dem Bildschirm landen, um etwas zu erkennen, was aufgrund der Menschentraube eben kaum möglich ist. Also an die Seite stellen und nach 2 Minuten noch einmal probieren und sich durchwirschen. Juhu, drin! Wir gucken „Vicky, Christina, Barcelo“ auf Englisch mit französischen Untertitel und ich bin von den Originalstimmen wie von der Geschichte total entzückt. Und bekomm sofort Fernweh. Hoppla, bin ja schon fern – aber eben nicht im Süden!

Freitag, 28. November 2008

03 – 09|11 And the winner is....

Freude: Eine ganze Woche vollgestopft mit Vorlesungen! Am Mittwoch gönn ich mir trotz allem den Deutsch-Unterricht und das lohnt sich! Der Prof hat von 7.3o bis 7.55 das Frühstücksmagazin im ZDF aufgenommen, um uns 8.oo die noch dampfenden, denn ofenfrischen Neuigkeiten der Wahlen in den USA zu präsentieren. Ich habe Bauklötzer gestaunt! Und wie albern ich die Moderatoren fand! Wenn man lange nicht fernsieht, kommt einem das ganze Getue unheimlich albern vor.

Auch in Geopolitik haben wir noch darüber gesprochen, also ich habe vielmehr nur zugehört. Dabei brachte der Prof ein Beispiel seiner letzten Prüfungsfragen. Also eine Frage für 3 Stunden Romanschreiben zu einem Thema wie diesem: Inwiefern beeinflusste der Zusammenbruch der UdSSR den der USA? (freie Übersetzung meiner Wenigkeit) Na, da fallen einem doch gleich tausende von Ansatzpunkten ein – nur haben die alle nichts mit dem Thema zu tun...

Am Donnerstag lass ich mich überreden und geh zu dem von unserem Studiengang organisierten Sportabend. Heut ist Fußball dran. Als wir 2 mal 5 Mädels uns um den Ball kämpeln haben die 4 Männermannschaften auf der Bank reichlich was zu lachen. Aber! Nach anfänglichem Chaos und Gegacker kommen sogar ansatzweise vernünftige Spielzüge zustande! Und ich schieß ein Tor!!!! Und bekomm auch gleich nen Spitznamen verpasst: Ballack! Warum denn nicht LAHM???? Dann wartet nur noch ein arbeitsreiches Wochenende auf mich.

Samstag, 15. November 2008

27|10 – 02|11 Endlich: Sightseeing!

Am Montag bezieht meine Controlling-Gruppe bestehend aus Mathieu, Benjamin und meiner Wenigkeit nach dem Englischkurs ein lauschiges Plätzchen im McDo am großen Platz, um an unserem Beleg zu arbeiten. Wir vergleichen die bisherigen Ausarbeitungen, die jeder zu einem Teilgebiet angefertigt hat – nebenbei kann ich es mir nicht verkneifen, die Menschen, die vor unserem riesigen Fenster passieren, zu analysieren. Zurück zum Thema: überraschenderweise liefere ich mit Abstand den umfangreichsten Text, da ich dachte jede Zahl erläutern zu müssen. Mir kann es egal sein, denn korrigieren darf meine Ergüsse ein anderer (meistens der arme Mathieu).

Ansonsten verläuft die Woche verhältnismäßig ruhig. Der Campus wirkt wie leer gefegt, da die gesamte Uni eine Woche Ferien hat – aber selbstverständlich nicht am IAE! Nte, nte, nte! Die lieben Studenten des IAE dürfen schön fleißig weiter zur Uni gehen, während wirklich ganz Frankreich Ferien genießt. Die Folgen erkennt man deutlich im Auchun (Supermarkt), dort kann man vor Menschenmassen kaum noch treten.

Außer uns IAE-Studenten residieren auch noch die übrigen eingewanderten Studenten auf dem Campus, d.h. vornehmlich muslimischer oder afrikanischer Herkunft. Manchmal frag ich mich, ob ich überhaupt noch in Europa bin. Das ein oder andere Mal verlässt mich auch das Sicherheitsgefühl, wenn ich in der Metro von einer Gruppe „Gosses“ von der Seite blöd angemacht werde. Leider kann man da wenig tun, denn um ins Stadtzentrum zu kommen muss ich unweigerlich durch die von sozialen Konflikten geprägten Vorstadtgebiete wie „Triolo“.

Am Freitag bekomm ich endlich Besuch aus der Heimat: mein Paps , seine Freundin und meine kleine Schwester wollen sich Lille nicht entgehen lassen und haben quasi ein Wochenende mit Guide „Steffi“ gebucht. Wir bummeln am Abend durch die Innenstadt und kehren in das eine oder andere Geschäft ein. Als uns der Magen schon in den Kniekehlen hängt suchen wir uns ein kleines Resto. Die von mir erspähte Crêperie ist leider geschlossen aber wir finden ein gemütliches, schickes, typisch nordisches Resto in der Nähe des großen Platzes. Nach 20 Minuten studieren der französischen Karte ohne Wörterbuch bekommen wir auch eine englische, sodass wir dann doch nach etwa einer halben Stunde etwas bestellen, von dem wir ungefähr eine Vorstellung haben. Als krönenden Abschluss gibt es Crème brûlée, typische französische Nachspeise bestehend aus Caramel-crème auf der sich befindende Rohrzucker mithilfe von Alkohol angezündet und somit auch karamellisiert wird. Danach rollen wir förmlich in unsere jeweiligen Nachtlager.

Samstag ist Petrus uns nicht gut gewillt und es nieselt fleißig vor sich hin. Also schlendern wir am Vormittag noch etwas durch die Geschäft, um nach einem deutschen Stullen-Mittag nach Brügge aufzubrechen. Dort schüttet und windet es weiter, aber wir drehen eine ordentliche Runde und finden die Stadt trotz allem unheimlich schön. Besonders beeindruckt uns im Café die von Annalena bestellte heiße Schokolade: ein Stück Schokolade am Stiel das in die heiße Milch getaucht wird. Meine Kaffee verkeehrt (NL) lässt mich auch schnell die nassen Füße vergessen. Abends kredenz ich uns eine Chili con Carne à la manière „schnell gekocht für Studenten“ in meiner Luxusküche. Übrigens eine ausgezeichnete Basis für den ausgiebigen Abend der noch folgt. Armandine hat geladen zu ihrer Einzugsfeier. Ich nächtige zum Glück bei Laura, wobei „nächtigen“ hier als 5 Stunden komaähnlicher Schlaf verstanden werden kann.

Dass Lille nicht als Großstadt bezeichnet werden kann, beweist sich am Sonntagmorgen. Nichtsahnend, verkatert und unerfrischt mach ich mich von Laura auf den Weg zur Metro – und da treffe ich meine kleine Reisegruppe! Im Süden von Lille! Obwohl ihr Hotel mehr oder weniger im Norden liegt!

Nach meiner nachgeholten (und dringend notwendigen) Dusche gehen wir anlässlich des Geburtstages meines Paps in eine urische Kneipe, die mir wegen ihres „Welsh“ wärmstens empfohlen wurde. Kurzum ich bestell es und kann förmlich meine Galle stöhnen hören, denn dem Auflauf bestehend aus einer Scheibe Toast mit Schinken und viel, viel, viel , viel, oberviel Käse überbacken mangelt es nicht an Fett. Die beiliegenden Pommes setzen noch einen drauf. Die Nachspeise spar ich mir... Am Nachmittag heißt es dann auch schon Abschied nehmen. Leider, denn es war schön auch mal als Tourist Lille zu entdecken.